Eine Tomate, so besonders wie eine Rose? Eine Tomaten-Rose aus der verschneiten Schweiz? Welch Wunderding muss das sein. So dachte ich, als ich den Namen zum ersten Mal las. Nach und nach enthüllte sich, dass es nicht um die Rose als Pflanze geht, sondern um die Farbe Rosa. Also eine rosafarbene Tomate.
Nun gut, eine Tomatenzüchtung aus der Schweiz ist trotzdem ungewöhnlich. Sicher war es mein Missverständnis. Mittlerweile sind die bestellten Saatgutpackungen eingetroffen. Mit leicht hängenden Schultern sitze ich am Küchentisch und Rose de Berne leuchtet nicht mehr ganz so verheißungsvoll wie zuvor.
Wird in Bern eigentlich französisch gesprochen? Bern liegt doch im deutschsprachigen Teil der Schweiz, n’est-ce pas? Eine französischsprachige Tomate, die nach der Schweizer Hauptstadt benannt ist. Entweder gibt es da noch eine Geschichte zu entdecken – oder mein rosafarbener Sommergast nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau.
Ich nehme mir den Nachmittag Zeit und stöbere durch zahlreiche Tomaten-Blogs und Saatgutverkaufsportale. Zum Schluss packe ich alle Informationen in eine Excel-Tabelle und sortiere so lange, bis sich ein übersichtliches Bild abzeichnet:
Herkunft & Name: Schweiz oder Frankreich. Möglicherweise nach der Apfelsorte Berner Rosenapfel benannt.
Größe & Wuchs: Besonders breite, riesige Pflanze. Etwa 1,80 Meter hoch oder auch über 2,50 Meter.
Ertrag & Reifezeit: Eher gering. Wahlweise auch viele Früchte mit Blütenendfäule. Sehr später Erntebeginn (Mitte September).
Besonderheiten & Aroma: Dünne Haut. Platzanfällig. Rosarote Früchte. Hervorragender Geschmack. Weltweit beliebt. Zart schmelzend. Das gute Aroma entschädigt.
Wenn die Beschreibungen beschwichtigend das zart schmelzende Aroma betonen, dann ist Vorsicht angesagt! Also doch eine roséfarbene Hochstaplerin? Ich werde sie neben die bodenständige Madame Marmande setzen. Die beiden können sich dann fern der Heimat auf Französisch darüber austauschen, wie es ihnen in Nordhessen gefällt. Und ich behalte die beiden im Auge. Niemand ist perfekt und jeder kann mal eine Macke haben. Aber wenn geringe Ernte mit platzanfälligen Früchten und Blütenendfäule zusammenkommen, dann wächst bei mir nächstes Jahr wieder Matina.
Die Überraschung des Spätsommers: Rose de Berne ist aromatisch und gar keine Hochstaplerin
Die Pflanzen sind von Höhe und Breite im Durchschnitt der Stabtomaten. Nach den ersten Wochen im Freiland waren sie eher zierlich. Die Ernte ist spät, aber reichlich. Die Haut ist dünn und rosa und platzt leicht. Der Geschmack ist wirklich hervorragend. Von meinen fünf Fleischtomaten ist sie die einzige, die an den süßen und fruchtigen Geschmack der Cocktailtomate Ruthje herankommt.


Erstmalig im Februar und August 2020 veröffentlich. Überarbeitung 2026.
Die ausführliche Beschreibung meiner Erlebnisse mit den Fleischtomaten findet sich in „Wildflowers ahead“ meinem zweiten Gartenbuch.
„Wildflowers ahead!“ ist die Anregung einen Naturgarten nicht nur im Fernsehen oder in Gartenzeitschriften zu bewundern, sondern Elemente davon auch im eigenen Garten umzusetzen.
ISBN 9783696378226 / 18 € / Überall im Buchhandel z.B bei amazon oder im Shop von Book on Demand
Viel Spaß beim Lesen, Uhle im Garten
