Ein Blühstreifen im eigenen Garten: Was bisher schief ging und wie ich daraus gelernt habe

Schon seit einigen Jahren beobachte ich, dass sich städtische Grünstreifen mehr und mehr in Blumenstreifen verwandeln. Statt „irgendwie grün“ gibt es entlang der Zufahrtsstraßen nun plötzlich bunte Blumenwiesen! Ich gehe davon aus, dass die Stadtverwaltungen ihre Arbeit nicht plötzlich an der Ästhetik ausrichten. Was ist also der Grund für diese Verschönerung? Überraschenderweise ist es langfristig gesehen günstiger Blumen zu säen als regelmäßig zu mähen. Das Saatgut kostet zwar anfangs etwas, aber die Mischungen sind so zusammengestellt, dass viele Blumen sich im Folgejahr selbst aussäen. Zudem muss seltener gemäht werden.

Auch an Feldrändern sind mittlerweile wieder sogenannte Blühstreifen zu sehen. Und zwar bei Biobauern genauso wie bei konventionellen Landwirten. Ich finde es beeindruckend, wie Stadtverwaltungen und Landwirte aus ganz unterschiedlichen Gründen bunte Blumen anbauen und zusätzlich etwas für die Artenvielfalt tun. Ich denke mir, was Bauern und Stadtverwaltungen können, das lässt sich im eigenen Garten doch bestimmt auch bewerkstelligen. Mit diesen Gedanken habe ich im letzten Jahr voller Elan begonnen mit einfachen Mitteln einen Blühstreifen anzulegen…
Hier ein Rückblick auf die Planung und Umsetzung aus dem letzten Jahr – und was ich daraus für 2020 gelernt habe.

Ungeduld im Februar

Die Wiese mit den beiden Apfelbäumen blüht schon jetzt mehrfach im Jahr von ganz alleine. Mal mit Hahnenfuß und Wiesenschaumkraut, mal mit Habichtskraut. Auch die Löwenmäulchen und der Kalifornische Mohn, die aus den Fugen der Terrassenplatten wachsen, sind nicht sorgsam vorgezogen oder mit gesiebter Anzuchterde bedeckt worden. Ich starte also das Experiment Blühstreifen im Garten!

Seit November liegen die gesammelten WiesenWildUndBlumen-Mischungen griffbereit in der Saatgutkiste. Warum muss man als Gärtner bloß immer so geduldig sein? Manchmal ist das echt anstrengend. Nun gut, wenn das Saatgut eine bestimmte Temperatur zum Keimen braucht, dann macht es im Februar kaum Sinn es schon zu verteilen, leider. Ich hatte heimlich auf den Klimawandel gehofft – damit der auch endlich einmal für etwas gut ist – wenn ich mir die letzten Jahre ansehe, ist der Klimawandel in meiner Region eher für die Kombination aus Dezemberfrühling und Märzwinter verantwortlich und die Aussaattermine verschieben sich weiter in Richtung Sommer.

Im April geht es endlich los!

Nun steht die Apfelwiese gerade zum ersten Mal in diesem Jahr in voller Blüte: Wiesenschaumkraut und Löwenzahn. Bevor der Löwenzahn sich in Pusteblumen verwandelt, schnappe ich mir den Rasenmäher, um Platz für meinen Experimentiergarten zu schaffen. Ich mähe so niedrig wie möglich und verteile eine dünne Schicht Erde auf der Wiese. Es klingt so verführerisch einfach „Abmähen – Erde glattrechen – Saatgut verteilen“, doch bis ich eine halbwegs geschlossene Fläche nur ganz dünn mit Erde bedeckt habe, sind etwa 250 Liter Erde verteilt. Während ich danach auf der Terrasse sitze und mir frischgebackenen Rhabarberkuchen schmecken lasse, freuen sich die Amseln über das Büfett unter den Apfelbäumen. Für mich war beim Verteilen nur Erde zu sehen, aber die Amseln sind begeistert. Mal sehen, wie das wird wenn ich ausgesät habe.

Nach den sommerlichen Tagen ist nun kühleres Wetter und Regen angesagt. Bevor, der Löwenzahn die Wiese zurückerobert, mische ich nun sämtliches Saatgut und verteile alles großflächig zwischen den Apfelbäumen. Jetzt heißt es warten. Was wird von den Wiesen- und Sommerblumen in 6 Wochen blühen? Ich bin immer wieder überrascht, welche Pflanzen sich ganz von alleine ansiedeln, wenn ich die Wiese nur lange genug nicht mähe. Gleichzeitig ist mir klar, dass vieles von meinem Saatgut als Vogelfutter enden wird. Anderes wird von den bereits eingewachsenen Pflanzen überwuchert werden. Es ist ein Versuch und ich freue mich über jede Blüte, die neu dazu kommt.

Enttäuschender Sommer

Die Umsetzung meiner Blühstreifen-Idee funktioniert leider überhauptgarnicht! Der Wiese hat der Rückschnitt gutgetan. Sie wuchert nun kräftig mit allem, was zuvor dort auch schon wuchs. Vor allem Löwenzahn und Habichtskraut. Auch der Giersch breitet sich nun gut aus, weil ich seit dem Frühling nicht mehr gemäht habe. Einzig eine Stelle, die ich nicht nur zentimeterdick mit Erde bestreut, sondern umgegraben habe entwickelt sich so wie geplant.

Die umgegrabene Stelle hat nicht mehr Pflege oder Wasser bekommen als der Rest der Fläche. Offensichtlich sind die bereits verwurzelten Pflanzen so stark, dass sich darauf nichts Neues ansiedeln kann. Ein Teil des Planes funktioniert also: Es reicht aus, das Saatgut zu verteilen und anzugießen. Aber der Untergrund muss offener Boden sein. Eine bereits vorhandene Wiese lässt sich auf diese Weise nicht verändern. Ich habe bei anderen Projekten im Garten erlebt, wie schnell große Mengen an abgeschälter Grasnarbe zusammen kommen bzw. wie viel Erde nötig ist, um „gerade mal eben“ eine Fläche aufzufüllen. Für den geplanten Blühstreifen wären es 2500 Liter Erde. So viel wie 10 durchschnittliche Regentonnen. Die Menge und das Gewicht der Erde werden dann schnell zum entscheidenden Faktor des ganzen Projektes. Dies war für mich der Grund einen neuen Weg auszuprobieren. Doch so einfach wie erhofft lässt sich ein Blühstreifen nicht anlegen.

Ausblick 2020

Im nächsten Versuch werde ich nun mit einer kleineren Fläche weiterarbeiten. Von meinen ersten Erfahrungen mit Kartoffeln in Kübeln habe ich Erde übrig. Außerdem vorsorge ich die Tomaten jedes Jahr mit neuer Erde. Alles, was ich von Kartoffeln und Tomaten übrig habe wandert in die Blühstreifen-Versuchsfläche. Gleichzeitig behalte ich auch die Strategie der Selbstaussaat bei. Ich werfe die Samenstände von Blumen, die an anderer Stelle hier im Garten wachsen, großzügig auf die Wiese: Johanniskraut, Akelei oder Löwenmäulchen.

Ein Gedanke zu “Ein Blühstreifen im eigenen Garten: Was bisher schief ging und wie ich daraus gelernt habe

  1. Ich denke mir, dass man für die Bienen etwas tun will. Wenn es vielleicht auch nicht hilft, so ist doch der gute Wille da.
    Und vielleicht ahmt es jemand im heimatlichen Garten oder im Kleingarten oder auf seiner sonst ungeliebten Grasfläche nach.
    Schönen Sonntag noch! :)

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