Es ist Frühling und für jede erdenkliche Gartenarbeit sprießen die Tipps. Ich selbst habe darüber geschrieben, dass ich beim ersten Rasenmähen möglichst viele der Blüten stehenlasse, damit es genug Futter für Insekten gibt. Völlig perplex lese ich daher eine Anleitung, wie man am besten Gänseblümchen im Rasen ausrottet. Gänseblümchen? Wer hat denn etwas gegen Gänseblümchen? Nicht einmal bei Löwenzahn kann ich es verstehen. Nichts ist zurzeit so sehr von Wildbienen umschwärmt wie Lungenkraut und Löwenzahn. Also das schaue ich mir genauer an. Ich möchte wissen, warum Gänseblümchen im Rasen so schlimm sind und was als Abhilfe dagegen empfohlen wird.
Ich lerne, dass Gänseblümchen eine sogenannte Zeigerpflanze sind. Sie zeigen an, dass dem Rasen Dünger fehlt. Damit der Rasen besser gedeiht, soll man unbedingt düngen und damit ließen sich auch die Gänseblümchen vertreiben. Hey, ich bin begeistert, das ist eine tolle Information für den Umbau meines Rasens zur wilden Wiese! Ich bin auf dem richtigen Weg: Die zahllosen Gänseblümchen im ehemaligen Rasen bestätigen meine Theorie, dass der Boden im Laufe der Jahre von ganz alleine nährstoffarm ( = mager) wird. Ich muss den Boden nicht austauschen. Ich muss nur warten. Und wenn ich wissen will, ob ich auf dem richtigen Weg bin, lese ich nach, wie ein echter Rasen gepflegt werden soll – und kehre die Anleitung um. Eine bessere Anleitung für Wildwiesen gibt es nicht.
Zwei weitere Hinweise aus der Welt des englischen Rasens sind: Brennnessel und Vogelmiere wachsen in nährstoffhaltigen Böden. Sie sind damit das Gegenteil der Gänseblümchen und zeigen nährstoffreiche Flächen an. Bei mir wuchern Brennnesseln rund um den Komposthaufen und Vogelmiere lebt in den Tomatenkübeln. Perfekt. Alles genau, wie es sein soll!
Über Rasenpflege gibt es viel mehr Informationen als zu wilden Wiesen. Anstatt die Tipps zu englischem Rasen zu überblättern, muss ich sie einfach nur umkehren: Das Gegenteil der Rasen-Anleitung ist hilfreich für eine wilde Wiese.

