Seit Ende März ist es sonnig und warm genug, dass die Gräser neu wachsen. Überall knattern nun die Rasenmäher. In den letzten Jahren hat sich mein Rasen zu einer bunten Mischung aus Gräsern, Blüten und Wildstauden entwickelt. Noch ist es keine Berg- oder Mager-Wiese, aber wir sind auf einem guten Weg. Vielleicht ist Gartenwiese eine gute Bezeichnung für diesen Übergangszustand.
Meine Gartenwiese ist bunt vor Gänseblümchen und Duftveilchen:
An den Rändern blüht der Lerchensporn. Bei den Hochbeeten hat sich eine Kolonie Balkan Anemonen angesiedelt. Zwischen den Johannisbeerbüschen räkeln sich die ersten Schlüsselblumen. Die Krokusse sind zwar verblüht, aber die Blätter sind noch nicht welk. Das Dauerbrummen der Hummeln erinnert mich daran, dass diese bunte Vielfalt nicht nur hübsch anzusehen ist, sondern für viele Gartenbewohner überlebenswichtige Futterquelle ist.
Ich wähle daher sorgsam aus, wohin ich den Rasenmäher lenke.
Ein Weg rund um die Hochbeete:
Gundermann und Quecke nutzen es gezielt aus, dass der Rasenmäher nie so ganz an die Holzkästen der Hochbeete heranreicht.
Der Platz für die Gießkannen neben der Regentonne:
Giersch und Wegwarte genießen die perfekte Kombination aus Vormittagssonne, tropfendem Regenfass und Nachmittagsschatten. Wenn ich sie gewähren lasse, werden sie einen hüfthohen Grünstreifen erschaffen. Nicht so stachelig wie eine Dornröschenhecke, aber ähnlich widerspenstig.
Die wilde Wiese aus dem letzten Sommer:
Wiesenstorchschnabel, Rainfarn, Wiesenwitwenblumen und allerlei Gräser durften sich in voller Kraft entfalten. Bis spät im Herbst blühte immer irgendetwas.
Alles andere, also die „normale“ Gartenwiese bleibt, wie sie ist. Die zahllosen Blüten sind zu schön und zu wichtig, um sie für einen „ordentlichen“ Rasen abzumähen. Von allen Nachbarn bin ich als erster mit Rasenmähen fertig. Ja, ich mähe auch, aber sehr ausgewählt und immer nur Teile der Gartenwiese. Und ich werde auch im Mai weitermähen. Immer ein Viertel oder ein Drittel der Fläche. Einen einzelnen Monat, in dem der Rasenmäher Pause hat, auszuwählen, halte ich für Unfug. Selbst wenn der Spruch auf englisch so lustig klingt: No mow May. Nicht die Monatsnamen sind entscheidend, sondern, was gerade blüht.

