Rasen – Wiese – Kräuterparadies

Bisher habe ich hauptsächlich über die Pflanzen geschrieben, die rund um den Rasen herum wachsen. Dennoch finde ich es wichtig dass es im Garten eine größere freie Fläche gibt, um die herum sich die verschiedenen Beete, Bäume oder Sitzecken gruppieren. In anderen Gärten – bei „Offenen Gartenpforten“ oder ähnlichen Gelegenheiten – empfinde ich die Pflanzungen oft als zu dicht gedrängt. Obwohl mir die freie Fläche also wichtig ist, kam ich bisher nicht auf die Idee über den Rasen an sich zu schreiben. Die Kombination aus Rasenmäherreparatur und Hexenschuss hat nun dafür gesorgt, dass sich das ändert. Der Rasen konnte mal so richtig zeigen, was in ihm steckt. Da gibt es nun ganze Teppiche aus Schafgarbe. Spitzwegerich, Löwenzahn und Klee wuchern um die Wette. Und dazwischen immer mal wieder weiße Margeriten oder auch einzelne unbekannte lilafarbene Blüten. Die Gundermann-Siedlungen vom Jahresanfang sind längst überwuchert.

Plötzlich war der Rasen nicht mehr die Fläche, die ich halt mähen muss, damit der Weg zum Bauerngarten frei ist. Auf einmal wurde klar, dass diese Fläche selbst auch etwas zu sagen hat. Sie ist quasi ein riesiges Beet in dem normalerweise eine Monokultur von Gräsern wächst. Schon oft habe ich darüber nachgedacht eine Blumenwiese zu säen. Sofort kommen dann als erste Gedanken „Wo ist ein guter Platz dafür?“ oder „Welche Wildblumen passen zusammen und wo bekomme ich sie her?“. Doch nun zeigt sich, dass die Blumenwiese längst da ist. Ich muss sie nur einmal wachsen lassen anstatt immer wieder mit dem Rasenmäher über die aufkeimende Vielfalt zu fahren.

Mit Spitzwegerich, Schafgarbe und Johanniskraut haben sich auch einige Heilkräuter angesiedelt. Gundermann ist für mich eher kein Heilkraut, aber wer weiß vielleicht vertreibt er ja das Moos oder hat eine andere mir unbekannte Eigenschaft als ist als Wiesenpflanze. Ist vielleicht auch Habichtskraut zu irgendetwas nutze außer zum Schönfinden? Als ich zum Habichtskraut googele wird mir als Stichwort „Habichtskraut bekämpfen“ vorgeschlagen und gleichzeitig ist einer der ersten Einträge eine Seite zur Wirkung von Heilkräutern. Ein schmaler Grat zwischen Heil- und Un-Kraut!

Allein durch die Chance zum Wachstum ist aus dem Rasen eine vielfältige Wiese mit Gräsern, Kräutern und Wildblumen geworden. Ich habe nicht vor, nun den ganzen Garten der Selbstorganisation zu überlassen, aber ich stelle mir schon die Frage, ob es einen Mittelweg gibt um die Vielfalt zu erhalten und trotzdem nicht überwuchert zu werden. Es wird kaum gelingen, das „normale“ Gras mähen und die Schafgarbe daneben beim Rasenmähen verschonen. Also vielleicht doch die aktuelle Rasenfläche in Rasen und Blumenwiese aufteilen? Vielleicht… Aber es ist auf jeden Fall eine neue Erkenntnis, was  schon alles im Rasen steckt und ich brauche ihm nur die Chance auf Entfaltung zu geben.

Im Rahmen der documenta 14 gibt es übrigens gerade eine Installation von Lois Weinberger zu sehen: Ein 100 Meter langer Graben, in dem sich Pflanzen von alleine ansiedeln.

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