Schwarze Johannisbeere: Heilkraut, Superfood oder einfach nur lecker?

Das ist einfach „meine“ Pflanze. Schon bevor ich wusste, dass es überhaupt schwarze Johannisbeeren gibt, waren meine Lieblingsbonbons als Kind die dunkel-lilafarbenen Campinos. Oder schmecken die nach Holunder statt nach Schwarzer Johannisbeere? Egal, Holunder kannte ich genausowenig. Mit der ersten eigenen Wohnung und der eigenen Verantwortung für die Mahlzeiten, sammelte ich dann alles, was mit Schwarzen Johannisbeeren zu tun hat, vom Gelee bis zum Cassis-Likör. So bekannt und beliebt jedoch der Likör ist, so wenig andere Produkte gibt es mit Schwarzen Johannisbeeren. Müssen es denn unbedingt schwarze sein? Ja, es müssen, die anderen Sorten schmecken einfach nur süß und sonst nichts – finde ich jedenfalls.

Seit ich nun einen eigenen Garten habe, ist die Beschaffung von Schwarzen Johannisbeeren etwas leichter geworden. Ich habe einfach einige Büsche angepflanzt und mittlerweile sind sie groß genug, um eine für mich ausreichende Ernte zu bringen. Ich sage ganz bewusste „eine für mich ausreichende Ernte“, da ich immer wieder feststelle, dass ich mit der Begeisterung für Schwarze Johannisbeeren als Frucht eher alleine stehe. Mittlerweile taucht sie zusammen mit Goji, Acai und Aronia in den üblichen Superfood-Artikeln auf, aber die Bezeichnung Superfood alleine reicht wohl nicht aus, um sie wirklich populär werden zu lassen. Ich selbst habe vage im Hinterkopf, dass die Inhaltsstoffe der Schwarzen Johannisbeere krebshemmend und stoffwechselanregend sind. Weil ich also einerseits begeistert von den Beeren bin und andererseits gar nicht so wirklich weiß, für was sie gut sind, habe ich mir vorgenommen etwas über die wunderbare Heilkraft der Schwarzen Johannisbeeren herauszufinden.

Aber nun habe ich echt ein Problem: Die verschiedensten Internetseiten zu Heilpflanzen schreiben wenig Hilfreiches wie „die Schwarze Johannisbeere enthält auch ein ätherisches Öl“ (Ach, tatsächlich, sie enthält ein ätherisches Öl, aber welches weiß man wohl nicht so genau…) oder sie kommt erst gar nicht vor. War’s das jetzt schon mit dem Superfood? Oder gibt es zwischen Superfood und Heilpflanze so wenige Überschneidungen, dass ich mit anderen Stichworten suchen muss? Nächster Versuch mit „Superfood + Johannisbeere“.

Na, geht doch! Die Aachener Zeitung schreibt unter der Schlagzeile „Heimisches Superfood: Johannisbeeren sind voller Vitamin C“: Wer Johannisbeeren mag, greift am besten zur schwarzen Sorte: Denn sie enthalten am meisten Vitamin C. Schon eine Handvoll schwarzer Beeren deckt den halben Tagesbedarf an diesem Vitamin. Außerdem enthalten die Beeren sekundäre Pflanzenstoffe wie Anthocyane (sprich: Anto-zü-ane) und Flavonoide (sprich: Flawo-no-ide), die Herz und Kreislauf stärken.

Kalium und Eisen werden auch noch erwähnt. Kalium entwässert und wirkt damit auch auf den Blutdruck und Eisen ist besonders für Menschen, die kein Fleisch essen wichtig. Den identischen Wortlaut finde ich dann auch in der Süddeutschen Zeitung. Sind also Superfood und Heilpflanze zwei grundsätzlich verschiedene Dinge? Das eine hat zwar Super-Kräfte, aber heilen kann es trotzdem nicht und das andere hat zwar heilsame Inhalte ist aber nicht Hipp genug für den neuesten Trend? Was nützen letztlich Aussagen wie „Schwarze Johannisbeeren enthalten deutlich mehr Vitamin-C als Zitronen“? Das mag alles richtig sein, aber ich kenne einfach so wenige Leute, die täglich ein bis zwei Zitronen essen.

Abgesehen von den üblichen Eigenschaften (Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Mineralien), die jedes andere frische Obst in unterschiedlichen Mengen auch hat, habe ich wenig Greifbares gefunden, was Schwarze Johannisbeeren „superfoodiger“ macht als Erdbeeren, Grünkohl oder Chiasamen. Ein Grund mehr, sich auf das eigene Gespür zu verlassen. Für mich heißt das bei meiner Vorliebe für Schwarze Johannisbeeren zu bleiben und mich jeden Morgen beim Frühstück darüber zu freuen, dass meine eigene Marmelade mir gut schmeckt und obendrein auch noch gesund ist. Außerdem muss ich überhauptgarkeine exotischen Superfoods essen, sondern ernte einfach mein eigenes Obst.

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