Ein Blühstreifen im eigenen Garten: So funktioniert es!

Als Kind hatte ich für einen Sommer ein eigenes Beet im Garten. Saatgut verteilen, Gießen, Warten, Radieschenessen. Ich weiß nicht mehr, was aus dem Beet geworden ist. Ob das neue Fahrrad mit Dreigang-Schaltung plötzlich interessanter war oder ob die Eltern die Fläche für etwas „richtiges“ brauchten.

Anfangs habe ich gedacht, ein Blühstreifen, das ist so wie Radieschen aussäen nur für Erwachsene. Inzwischen weiß ich, dass Blühstreifen eine halbe Wissenschaft sind. Es gibt für jeden Boden und jedes Klima spezielle Saatgutmischungen. Mit den gesammelten Erfahrungen aus Radieschenanbau, Blühstreifenmisserfolgen und Literaturrecherche habe ich in diesem Jahr das Thema Blühstreifen neu in Angriff genommen.

Als erstes ist es wichtig, zu entscheiden, was das Ergebnis sein soll. Das klingt selbstverständlich, ist aber längst nicht so einfach, wie es klingt. Blühstreifen sind in den letzten Jahren aus zwei Gründen bekannt und populär geworden:
Sie sehen auf städtischen Grünstreifen viel freundlicher aus als die sogenannten Grünflächen, die bisher dort waren.
Zur Unterstützung der Artenvielfalt werden sie auch an Feldern angelegt.

Bei Tempo 80 auf der Ortsumgehungsstraße sieht alles schön aus, was irgendwie bunt ist. Im eigenen Garten fällt dann plötzlich auf, dass die Hälfte der Blüten ja längst welk ist. Und damit bin ich zurück bei der Frage: Was soll da gepflanzt werden?
Ein Blühstreifen, wie auf der Verkehrsinsel am Ortseingang?
Eine Wildblumenwiese, wie im Fernsehbericht über Magerwiesen?
Eine Fläche im Garten, die so aussieht wie auf der Saatgutpackung?

Alles davon ist möglich, aber es sind völlig unterschiedliche Projekte. Ich entscheide mich dafür, einen Teil eines verwilderten Rasens mit einer Sommer- und Wiesenblumenmischung zu ergänzen. Der ehemalige Rasen ist bereits mit Gänseblümchen, Löwenzahn, Scharbockskraut und Gundermann durchmischt. Nun kommen an einer Stelle ein paar neue und bunte Farbtupfer hinzu.

Damit das Saatgut eine Chance hat, braucht es frische und offene Erde. Ich schäle mit dem Spaten eine drei bis fünf Zentimeter dicke Schicht des Rasens ab. Diese Grassoden drehe ich um und stapele sie in eine der eckigen oder runden Mörtelwannen aus dem Baumarkt. Ich sorge dafür, dass die Wanne randvoll ist. Entweder habe ich Glück und die genau richtige Menge an Grassoden oder ich fülle irgendwelche andere Erde mit ein. Diese randvolle Wanne wird abgedeckt und mindestens ein Jahr in den Gartenschuppen gestellt. In dieser Zeit zerfallen die Graswurzeln und die Erde lässt sich für neue Projekte verwenden. Auf diese Weise entfällt zumindest die Entsorgung der Grassoden.

In etwa die gleiche Menge Erde muss nun mit Saatgut vermischt wieder aufgefüllt werden. Das ist die Stelle, die an die Radieschen erinnert. Ab jetzt ist es einfach. Ich verteile als oberste Schicht noch ein paar Grassamen. Ich weiß nicht, wie viele der Blumen im nächsten Jahr von alleine wiederkommen. Oft sehen Blühstreifen leider nur im ersten Jahr schön aus. Daher schon einmal vorsichtshalber auch ein paar Grassamen, damit es im nächsten Jahr nicht kahl und unwirtlich ist.

Schon drei Wochen später sind die ersten Pflänzchen zu sehen. Eindeutig weder Löwenzahn noch Gras. Es funktioniert also wie geplant. Und mit drei Wochen zwischen Aussaat und erstem Grün, ist es auch jetzt noch nicht zu spät ein Stück Wiese oder Rasen zum Blühen zu bringen!

Ein Gedanke zu “Ein Blühstreifen im eigenen Garten: So funktioniert es!

  1. Viel Glück! Ich hab vorigen Sommer einen Blühstreifen an der Südseite , neben unserem Carport angelegt. Ich habe gleich wie Du fünf Zentimeter dick den Humus abgetragen und darauf zwei Zentimeter dick Sand aufgetragen. Den Samen bestellte ich bei einer Firma, die sich auf Wildblumensamen spezialisiert hat. Nach dem festtreten des Sandes säte ich die Samen aus. Vorher mischte ich sie mit Sand, um sie gleichmäßig aussäen zu können. Sechs Wochen feucht halten kam dann und dann war Ruhe. Lange sah man nur zögerlich Pflänzchen. Heuer im Frühjahr „explodierte“ die Wiese geradezu. Mohn und Kornblumen drängen sich in den Vordergrund. Die Pflanzen wurden einen Meter hoch. Jetzt blühen sie üppig. Die kleine Wiese wurde zum beliebten Fotomotiv. Wie`s weitergeht? Ich werde sehen und auf meinem Blog berichten. Einen lieben Gruß!

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