Der Herbst der kleinen Äpfel

Der Sommer 2018 war wirklich ungewöhnlich. Man muss kein Gärtner sein, um dies zu bemerken. Und tatsächlich haben viele Menschen den Eindruck, dass etwas anders war in diesem Jahr. Während die Sommerblumen vertrocknet sind und die Landwirte massive Einbußen bei der Getreideernte haben, hängen die Apfelbäume übervoll. Im letzten Jahr konnte ich jeden einzelnen Apfel mit Handschlag begrüßen und war froh, dass die Boskoop-Ernte für einen einzigen Kuchen ausgereicht hat. In diesem Jahr komme ich mit dem Aufsammeln des Fallobstes kaum hinterher. Zum Pflücken der Äpfel, die noch am Baum hängen komme ich gar nicht mehr. Ich bin dankbar für jeden Apfel, der noch ein paar Tage hängen bleibt. Es fällt jedoch auf, dass die Äpfel in diesem Jahr sehr klein sind. 

Die Äpfel im Supermarkt sind allerdings weiterhin so groß wie immer. Wo sind diese Äpfel gewachsen? Haben die Bauern die Apfelbäume gegossen oder wo kommen diese gleichförmigen Äpfel her? Wahrscheinlich gebe ich mich mit diesen Fragen, als Unwissender zu erkennen, der keine Ahnung vom weltweiten Apfelmarkt hat. Vielleicht spreche ich aber dennoch als Vertreter derer, die nach einem langen Tag in Büro, Fabrikhalle oder anderem Arbeitsplatz, auf dem Heimweg noch kurz in den Supermarkt hasten und froh sind, wenn irgendwann das Abendessen fertig ist. Die Warenströme und Verkaufskonzepte sind so komplex geworden, dass es kaum mehr möglich ist, abzuschätzen, welches der Angebote sinnvoll ist. So würde es mich nicht überraschen, wenn ein Apfel aus Neuseeland eine bessere Klimabilanz hat, als ein deutscher, der ein halbes Jahr im Kühlhaus lag. Was tun? Trotzdem den deutschen Apfel kaufen, um die lokale Wirtschaft zu stärken und den Transportwahnsinn zu bremsen? Aber im Januar marokkanische Tomaten kaufen, weil sonst die Afrikanische Wirtschaft nie auf eigene Beine kommt? Die verschiedenen Themen sind auf so vielfältige und enge Weise miteinander verflochten, dass ich es nicht mehr schaffe hindurch zu blicken und das Richtige vom Falschen zu unterscheiden. Ich stelle mir vor eine der deutschlandweiten Supermarktketten würde nur regionale Äpfel anbieten. Dann gäbe es dort jetzt gerade nur kleine Äpfel. Unterstützen „die Verbraucher“ (also auch ich!) solch ein Konzept auch dann noch, wenn es das tägliche Leben beeinflusst? Was passiert, wenn die Äpfel einfach ausverkauft sind wie im letzten Jahr oder preiswert, aber sehr klein wie in diesem Jahr?

Mir ist in diesem Sommer klar geworden, dass ich beliebig lange spekulieren kann, ob es den Klimawandel wirklich gibt oder alles nur fake news von ein paar verwirrten Verschwörungsbegeisterten sind. Selbst handeln und Dinge verändern kann ich nur an dem Ort an dem ich selbst bin. Für mich ist dieser Ort eine Kleinstadt in Nordhessen. Dort kann ich anfangen jeden meiner kleinen Äpfel zu verwerten und auf diese Weise Einfluss nehmen:

  • Am letzten Wochenende habe ich Apfelgelee hergestellt. Aus 5 Kilogramm Fallobst werden 16 Gläser Gelee.
  • Einige Äpfel habe ich in den Korb mit dreiviertel reifen Tomaten gelegt. Dort können sie beim Nachreifen helfen.
  • Meine Frau hat sich an das Apfelmus ihrer Kindheit erinnert und hat damit begonnen Wochenportionen Apfelmus zu kochen.
  • Auf dem Blog MitEigenenHänden habe ich noch einen Tipp für geriebene Äpfel gefunden.
  • Am nächsten Wochenende produziere ich Apfelstrudelfüllung auf Vorrat.

Meine paar Gläser Apfelgelee werden die Welt nicht verändern. Doch wenn jeder Einwohner meines Städtchens es genauso macht, kommen fast 100 Tonnen Äpfel zusammen. Das ist dann plötzlich eine Menge, die ins Gewicht fällt. Wortwörtlich!

Ein Gedanke zu “Der Herbst der kleinen Äpfel

  1. Danke für´s Verlinken!
    Selbstgemachtes Apfelmus ist lecker! Ich hab noch ein paar Gläser aus dem letzten Jahr. Da ich aber in diesem Jahr so viele Quitten hatte, und daraus Quittenmus gemacht habe, habe ich kein Apfelmus mehr gemacht.
    Apfelstrudelfüllung auf Vorrat würde mich interessieren. Zutaten sind klar, aber frierst du die dann ein oder kochst du sie ein?

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