Kartoffelbunte Pflanzideen

Meine Eltern haben schon seit Jahren eigene Kartoffeln. Das hat sich irgendwie so ergeben. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich die lange Liste der Gemüsesorten und die Kilomengen der Ernte höre. Dabei sind meine Eltern keine klassischen Selbstversorger. Sie säen und pflanzen einfach so lange alles an, was sie finden können, bis der Garten voll ist. Vielleicht sind auch das die wirklich echten Selbstversorger. Menschen, die Gemüse anbauen und die Ernte einbringen. Mir wird klar, dass ich mit dem Begriff Selbstversorger auch eine politische und gesellschaftliche Einstellung verbinde. Am Beispiel der eigenen Eltern sehe ich, dass dies nicht zwingend nötig ist. Es kann so sein, muss aber nicht.

Nach einem meiner Besuche dort war ich dann zum ersten Mal so begeistert von der Idee eigener Kartoffeln, dass ich selbst Kartoffeln anbauen wollte. Die Informationen im Netz und der Gartenzeitschrift holten mich jedoch schnell auf den Boden der Chipstüte zurück. Krautfäule hier, Kartoffelkäfer dort. Und wenn beide fehlen, gibt es immer noch Wurzelälchen. Selbst Beiträge, die zum Anbau von Kartoffeln ermuntern wollen, zählen so viele Schwierigkeiten, Schädlinge und sonstige Hindernisse auf, dass ich lieber langweilige Kartoffeln im Laden kaufe. Tomaten erscheinen mir im Vergleich dazu ein leicht gelingendes Allerweltsgemüse zu sein. Der Kartoffelanbau ist mir eindeutig zu kompliziert.

Ich bin gern im Garten. Ich arbeite gerne im Garten. Aber so lange mein Lebensrhythmus von meinem Bürojob vorgegeben wird, kann ich mich nicht auf tägliche Pflegepläne oder auf Monate im Vorhinein zu bestimmende Aussaattage konzentrieren. Mein Garten wird von Jahr zu Jahr einfacher. Die Gartenarbeiten werden erledigt, wenn ich zu Hause bin und es gleichzeitig nicht regnet. Angebaut wird nur, was wir wirklich essen und was auch mal ohne Pflege auskommt. Und all das geht mit Kartoffeln nicht.

Oder vielleicht doch? Ich weiß es noch nicht, aber ich habe im Deutschlandfunk Kultur ein ausführliches Gespräch mit dem Kartoffelbauer Karsten Ellenberg gehört. Da geht es um die Rettung der beliebten Sorte Linda, um Kartoffeln, die nussig oder fruchtig schmecken und um die verschiedensten Farben, die Kartoffeln haben. In dem ganzen Gespräch von über einer halben Stunde, kommt kein einziger Schädling vor. Ich werde nun auch einen Versuch mit Kartoffeln wagen! Ich habe eine kunterbunte Mischung Saatkartoffeln bestellt und überlege, welchen Teil des Gartens ich zum Kartoffelacker ernenne.

Ich erinnere mich an den Satz von Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Das ist Karsten Ellenberg mit seinem Kartoffelinterview gelungen. Die Risiken und Schädlinge wird es trotzdem geben, aber ich starre nicht mehr auf die Hindernisse, sondern freue mich auf bunten Kartoffelsalat.

2 Gedanken zu “Kartoffelbunte Pflanzideen

  1. Wir haben letztes Jahr auch zum ersten Mal Kartoffeln angebaut, in Töpfen. Es gab zwar keine Riesen Ernte aber keine Käfer oder sowas. Dieses Jahr machen wir ein ganzes Beet voll, schauen wir mal was wird. Ich wünsche viel Erfolg.!

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