Apfelexperiment: Apfel-Brombeer-Gelee

Ein Apfelbaum gehört ja so irgendwie in jeden Garten. Äpfel kennt jeder. Äpfel isst (fast) jeder. Äpfel lassen sich lagern. Kurz, das ideale Produkt für jeden Gärtner. So haben sicher auch die Vorbesitzer meines Gartens gedacht. Wenn ich die hölzernen Stiegen im Keller sehe, wird mir klar, dass sie durchaus auch so gehandelt haben. Der Weg ist also klar und denkbar einfach: Ernten – lagern – essen. Nun stellt sich allerdings die Frage, weshalb ich nicht auf diesem Weg wandle. Hat mich die ständig verfügbare und bezahlbare Apfelvielfalt des Supermarktes eingelullt? Hatten Menschen vor 25 oder 50 Jahren wirklich so viel mehr Zeit als wir heute? Müsste man einfach nur einmal eine Woche lang das Internet abschalten und schon wäre all die verloren geglaubte Zeit wieder da? Und als philosophische Anmerkung am Rande: Hat Marcel Proust die verlorene Zeit, nach der er in seinem 5300-seitigem Romanepos gesucht hat, gefunden?

img_0698-sSo sympathisch die Idee mit dem Apfelbaum auch ist, bei mir funktioniert das mit dem Lagern nicht recht. Aufessen ist OK, aber bei der Menge, die so ein Baum liefert, komme ich nicht recht hinterher. Ich überlege daher in jedem Jahr, ob es irgendwelche Alternativen gibt. In diesem Jahr probiere ich die Version „Entsaften und Gelee herstellen“ aus. Im letzten Jahr hatte ich – ebenfalls als Versuch – Apfelsaft mit dem Dampfentsafter hergestellt. Das dauert recht lange, ergibt wenig Saft und der Saft schmeckt völlig anders als gewohnt. Nun also der nächste Versuch mit einem …, hm, wie nennt sich eigentlich ein Entsafter, der kein Dampf-Entsafter ist? Also halt so ein Entsafter mit Elektromotor und rotierender Reibe.

Der Saft ist zwar sehr schaumig, aber er schmeckt traumhaft frisch und aromatisch und genau wie die Cox-Äpfel, aus denen er ist. Die Ausbeute ist auch bei dieser Methode recht gering. Den Saft mische ich im Verhältnis 1:5 mit Brombeer-Saft. Ich kann mich nicht erinnern, je wirklich begeistert von reinem Apfelgelee gewesen zu sein und die Brombeeren waren einfach gerade im rechten Moment zur Hand. Da der Saft bereits da ist, gibt es nun kaum etwas Einfacheres als Gelee herstellen: Topf, Saft, Gelierzucker – aufkochen, abfüllen – fertig. Wenn nicht dieser eine Satz schon die ganze Anleitung wäre, ließe sich daraus bestimmt eine prima Überschrift à la „In nur 15 Minuten sofort Gelee besser als Ihre Oma kochen“ schreiben. Mir sind allerdings die leisen Überschriften lieber. Weniger Klappern, mehr Handwerk!

Der sprudelnde Saft oder Obstbrei im Topf und die Gelierprobe sind wichtig und nützlich, aber für mich ist die entscheidende Frage immer „Wie schmeckt das erste Brötchen mit dem neuen Gelee?“. Wie gut oder doch nur mittelmäßig mein Produkt ist, erfahre ich also immer erst am nächsten Morgen. Bei meiner neuen Kreation Apfel-Brombeer bin ich völlig zufrieden: Eine wunderbare Ergänzung für das Frühstück, am liebsten mit einer Schicht Quark auf dem Brötchen.

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