Mittwinter & Rauhnächte: Die Zeit dazwischen

Es ist noch gar nicht so spät am Tag, aber es ist schon furchtbar dunkel. Mir wird erst jetzt richtig klar, dass es längst Mittwinter ist. Eine gute Möglichkeit einen Rahmen für das Insichgehen zu schaffen sind die Raunächte von Heiligabend bis zum Dreikönigstag.

Es gibt verschiedene Erklärungen, was die Raunächte genau bedeuten und wie viele es sind. Ganz egal, ob es nun ein christlicher, keltischer oder noch anderer Ursprung ist und sie an Heiligabend oder am 1. Weihnachtstag beginnen, irgendeinen Haken kann man an allen Erklärungen finden. Ich persönlich halte einen nicht-christlichen Ursprung für realistisch, aber warum sollen sie dann am christlichen Weihnachtsfest beginnen, das erst viel später entstanden ist? Da erscheint mir als erste Raunacht die Wintersonnenwende viel stimmiger. Aber wie gesagt, unabhängig welche der verschiedenen möglichen Zählungen und Erläuterungen man persönlich für überzeugend hält, es ist eine Zeit, die sich wunderbar als Generalpause anbietet.

Zu Schul- und Kinderzeiten waren bis zum Dreikönigstag Ferien und es war auch irgendwie eine Zeit, in der nicht viel los war. „Zwischen den Jahren“ hieß es bei uns zu Hause. In den letzten Jahren sind die Raunächte wieder ein Thema geworden. Oder nehme ich es nur so wahr, weil ich mit dem Garten und den Kreisläufen der Natur beschäftige? Man sieht nur das, was man auch denken kann. Jahrelang wächst Schafgarbe in meinem Rasen. Seit ich mich mit Heilkräutern beschäftige, sehe ich sie. So geht es mir vielleicht auch mit den Raunächten. Auf jeden Fall finde ich die Idee gut, sich eine ganz konkrete Zeit im Jahr frei zu halten, die auf jeden Fall der inneren Einkehr dient und ich mag jeden anregen, darüber nachzudenken und es vielleicht nach zu machen.

Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele. Das typische der Raunächte ist das Räuchern, das vielleicht sogar im Namen steckt. Für den Anfang tut es auch eine Duftlampe, eine Kanne Tee und ein ruhiger Nachmittag. Die passenden Fragen tauchen dann meist von ganz alleine aus der Dämmerung auf: Wo stehe ich gerade in meinem Leben? Wie bin ich dorthin gekommen? Ist das wirklich das Leben, das zu mir passt? Was muss ich ändern, damit ich wieder bei mir selbst ankomme? Wer hat mich dabei unterstützt, das zu erreichen, was ich bis hierher geschafft habe?

Manche dieser Gedanken finden sich sogar in den bunten und lauten Sylvesterfeiern und den schnell wieder vergessenen „guten Vorsätzen“. Das mag ein Überbleibsel aus alter Zeit sein, das sich bis in unser schnelles Internet-Zeitalter gehalten hat. Ich merke, dass es mir gut tut, mich aus der Schnelllebigkeit der Welt um mich herum für eine Weile auszuklinken und meinem eigenen Rhythmus nachzuspüren.

J - 4 Winter 2

2 Gedanken zu “Mittwinter & Rauhnächte: Die Zeit dazwischen

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