Mein Gartenjahr: Herbst

1 Septembergarten

Jetzt ist es also Herbst! Noch vor einer Woche waren nur einzelne erste bunte Blätter an den Bäumen, doch nun ist es überraschend schnell richtiger Herbst geworden. Die Astern blühen in kräftigen, lila-farbenen Büscheln und viele Bäume sind schon richtig herbstbunt. Ich freue mich jedes Jahr neu auf diese Zeit und begrüße den Herbst mit einer Mischung aus Teetrinken, Genießen und Bücherlesen. Heute ist kein Tag für die Gartenarbeit. Heute ist einfach mal PAUSE.

Eigentlich ist es ja bereits Oktober, aber ich finde „Septembergarten“ klingt einfach mehr nach der milden Sonne des Spätsommerherbstes. In diesem Jahr ist der Septembergarten durch den heißen langen Sommer etwas in den Oktober verschoben. Man könnte auch „Früh-Herbst“ dazu sagen. Es gibt zwar Frühsommer, ein Wort das die Sehnsucht danach ausdrückt, das doch bald endlich Sommer sein soll, aber offensichtlich gibt es nicht genug Menschen, die sich auf den Herbst freuen und die aktuelle Mischung aus Sonne, bunten Blättern und gelegentlichen kühlen Tagen als Frühherbst begrüßen. An dieser Stelle bin ich ganz eindeutig eine Ausnahme und freue mich auf den Herbst!

Heute Morgen waren die Astern noch nieselregennass, aber nun ist es ein richtig blitzeblauer Herbsttag geworden. Ich frage mich, wo all die Beschreibungen einer depressiven und traurigen Herbstzeit herkommen. Sind diese Dichter nie durch einen bunten Herbstwald gelaufen?

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2 Herbstarbeiten

Überall gibt es nun wieder viele Dinge zu tun. Im Gegensatz zum Frühling, werden aber nun die Tage täglich kürzer, kälter und nasser. Da gilt es jede Gelegenheit zu nutzen. An dieser Stelle fällt mir ein Zitat aus John Irvings „Hotel New Hampshire“ ein: Nutze jede Gelegenheit, die die Welt Dir bietet. Selbst wenn Du zu viele Gelegenheiten hast. Irgendwann hört es von ganz alleine auf mit den Gelegenheiten.

Nutzgarten

Für mich ist das die Zeit Zucchini und Tomaten zu roden und das Beet wird so weit das jetzt schon geht in Ordnung zu bringen. Die Tomaten waren ja schon vor zwei Wochen dran, nun folgt der Rest.

Die „Guten Vorsätze für das Gemüsebeet 2016“, gehören für mich auf jeden Fall zu den Herbstarbeiten. Jetzt ist alles noch präsent. Ich sehe, was gut gediehen ist und was nicht. Im Winter, wenn ich nur leere Beete sehe und die wundervollsten Beschreibungen aus Gartenbüchern und Samenkatalogen, mache ich die gleichen „Fehler“ wie dieses Jahr. Ich brauche es, vor Augen zu haben, wie es geworden ist, um entscheiden zu können, ob im nächsten Jahr an dieser Stelle mehr oder weniger oder ganz anderes wachsen soll.

Das neue Obstbeet ist gut eingewachsen. Ein paar Korrekturen werde ich noch jetzt im Herbst vornehmen: Die roten Johannisbeeren werden durch schwarze ersetzt und zwei der vorhandenen Büsche werde ich versetzen, weil sie etwas mehr Platz brauchen. Außerdem werde ich einen Teil des Gemüsebeetes auch mit Obstbüschen (Aronia, schwarze Johannisbeere) bepflanzen. Bisher wucherten dort Zucchini und genau in der Zeit, wenn sie an jeder Ecke in guter Qualität zu kaufen sind, habe ich sie auch im eigenen Garten. Das macht wenig Sinn. Die Beeren gibt es jedoch fast gar nicht zu kaufen, da lohnt es sich, sie selbst zu haben.

Ziergarten

In diesen Wochen schneide ich die Stauden zurück. Den Anfang machte in diesem Jahr die Echinacea. Sie hatte sich stark ausgebreitet und ich wollte sie möglichst am Aussamen hindern – falls sie das nicht längst erledigt hat.

Die Dahlien dürfen noch bleiben. Auch sie werden dem ersten Frost nicht lange widerstehen können, aber noch sind ein paar letzte Blüten an den Sträuchern. Und ein paar Arbeiten kann ich auch für die nächsten Wochen lassen. Die verblühten Stauden laufen mir nicht davon. Aber egal, ob das nun zum Spät-Herbst oder zum Früh-Winter zählt, ich werde sie nicht bis zum Frühjahr stehen lassen. Im Frühjahr gibt es so vieles an neuen Dingen zu tun, dass ich das Aufräumen dann gerne schon erledigt habe. Auch kann ich dann besser erkennen, wo die ersten frischen Triebe erscheinen. Ja, es ist richtig, dass die Beete im Winter dann leer und traurig aussehen, allein so oft sitze ich im Winter nicht im Bauerngarten, dass dies groß stören würde. Und bis ich im Frühling zum ersten zu ersten Picknique im Garten erscheine, ist längst alles wieder frisch ausgetrieben.

Heilpflanzen & Kräuter

In diesem Bereich ist zum Glück wenig Arbeit. Viele der Kräuter wie Salbei, Thymian und Rosmarin wachsen völlig selbständig vor sich hin. Ebenso alles was ich an Heilpflanzen nutzen könnte. Da ich bisher weder Kräuter noch Heilpflanzen systematisch ernte, muss ich mich auch nur wenig darum kümmern. Der Rosmarin bekommt beim ersten Frost eine dicke Laubdecke und alles andere kommt im nächsten Jahr von alleine wieder. Manche wie den Pfefferminz muss ich eher im Frühjahr daran hindern zu sehr wiederzukommen.

3 Oktobergarten

Das sind die Dinge, die ich so im Nutz- und Ziergarten erledige. Vieles davon lässt sich ebensogut in den gängigen Garten-Büchern oder Monats-Heften nachlesen. Es ist daher vielleicht gar nicht entscheidend, welche Pflanze in meinem Garten, wie geschnitten oder umgesetzt wird. Es ist eher die Frage „Was fange ich mit dem Garten und mir an, während die Tage kürzer und trister werden?“. Ist nun plötzlich alles „blöd“ und ich muss mich gleichermaßen vor depressivem Novembernebel und kitschigem Weihnachtrummel fürchten?

Ich überlege mir statt dessen, wie ich diejenigen Aufgaben, die ich noch erledigen möchte, mit der wenigen Helligkeit kombinieren kann. Außer am Wochenende erlebe ich den Garten nur im Dunklen. Ich habe nun eine Liste mit Tageskleinigkeiten angefangen. Jeden Tag will ich eine einzige Kleinigkeit von „Aronia umsetzen“ bis „Wegwartensamen einsammeln“ erledigen. Ich bin gespannt, was mir auf diese Weise bis zum Winter alles gelingt.

I _ 03b-2015

4 Novemberblüten

Abgesehen von einem meteorologischen Irrtum mit den ersten Flocken Schnee Ende Oktober, ist der Spätherbst in diesem Jahr (2015) extrem mild. Statt depressivem Novembernebel und sturmzerfledderten Straßenschildern auf der Umgehungsstraße, blüht seit dem Frühsommer der kalifornische Mohn unermüdlich und immer wieder. So lange der November noch so mild ist, werden die Blüten hoffentlich noch lange gegen den Herbst-Blues anleuchten.

Ist der milde Spätherbst eine Eintagsfliege oder wandelt sich mit dem Wetter auch die Gartenlyrik? Werden zukünftige Generationen von Gärtnern Beschreibungen von erfrorenen Dahlien mit der gleichen Verwunderung lesen, wie sich die Teenager von heute anhören, dass es mal so etwas wie Telefonzellen gab und dass man schon am Schulvormittag wissen musste, wen man nachmittags treffen wollte, weil es kein Whats up gab?

Fast bin ich froh, dass es wenigstens noch genauso früh dunkel wird wie in anderen Jahren und ich mich bei einer Kanne Tee ans Kaminfeuer setzen kann.

I _ 04b-2015

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