Seit einigen Jahren sät sich die Kapuzinerkresse bei mir selbst aus. Ich setze zwar auch aktiv ein paar Pflanzen ins Hochbeet, aber rundherum wächst sie mittlerweile wild. Selbstaussaaten sind in der Regel immer etwas später als die vorgezogenen Pflanzen von der Fensterbank. In diesem Jahr waren Kapuzinerkresse und auch Cosmea besonders spät dran. Gerade diese beiden keimen erst, wenn es angenehm warm ist. Umso mehr überrascht es mich, dass sie nun bei den letzten sind, die noch durchhalten. Die ebenfalls wärmeliebenden Gurken haben sich längst verabschiedet.
In den letzten Tagen plage ich mich mit einer der saisontypischen Erkältungen herum. Außer zu Thymian greife ich nun gezielt zur Kapuzinerkresse und bin froh, dass ich sie noch im Garten habe. Der scharfe Geschmack der Blätter kommt von den enthaltenen Senfölglykosiden. Diese wirken antibakteriell und antiviral. Die Kapuzinerkresse wird auch als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet. Die Wirkung ist so gut nachgewiesen, dass Kapuzinerkresse in Medikamenten gegen Harnwegsinfekte und Erkältungskrankheiten enthalten ist.
Ich verwende Kapuzinerkresse entweder als einzelne Blätter gezielt bei Erkältungen oder in der Salatschüssel gemischt mit Pflücksalat oder Wildkräutern. Ein Salat, der nicht nur lecker ist und satt macht, sondern auch noch gegen Erkältung hilft? Genial! Dazu fällt mir der Satz von Hippokrates ein: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein.“
Während also die Ingenieure der Lebensmittelindustrie die unterschiedlichsten Sorten „Functional Food“, von Gummibärchen zur Stärkung des Immunsystems bis zur blutdrucksenkenden Margarine, erfinden, wächst das echte functional food längst im Garten.

