Buchvorstellung: Dave Goulson „Wildlife Gardening – Die Kunst im eigenen Garten die Welt zu retten“

Dave Goulson plaudert sehr lesenswert über vielerlei Themen. Alle seine Gedanken und Informationen sind absolut lesenswert. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass die Raupen des Aurorafalters am liebsten die Schoten des Wiesenschaumkrautes fressen. Wenn ich ihn unterstützen will, brauche ich nur die Wiese nach der Blüte des Wiesenschaumkrautes eine Weile nicht mähen. Unterstützung durch Nichtstun, das gefällt mir. Solche Tipps lese ich einige in Goulsons Buch – insgesamt sind es allerdings zu wenige, als dass ich die Welt damit retten könnte.

Die Einleitung
„In diesem Buch geht es um die natürliche Tier- und Pflanzenwelt direkt vor unserer Nase, in unseren Gärten und Parks, in den Ritzen zwischen den Pflastersteinen und im Boden unter unseren Füßen.“

Diese Einleitung gefällt mir gleich doppelt:
Ich erfahre den Sinn dieses Buches. Wozu ist das Buch gedacht. Oft fehlt solch eine Beschreibung und ich stelle erst beim Lesen so nach und nach fest, ob das Buch für mich sinnvoll ist oder nicht.
Außerdem ist es eine Beschreibung, die mir aus dem Herzen spricht. Gerade in den Ritzen der Terrassenplatten siedeln bei mir beeindruckende Pflanzen. Endlich ein Autor, der mir nicht erklären will, mit welchem Chemiecocktail ich diese Wunderwelt loswerde.

Weiter geht es mit einem Rezept für Maulbeermuffins. Dass ich dafür einen Maulbeerbaum brauche und dieser leider zehn Jahre braucht, bis er Früchte trägt, wird gerne übersehen. Wenn ich also im Einklang mit der Natur leben will, dann pflanze ich für einige Obstsorten auch einen eigenen Baum und verlasse mich nicht auf weltweite Lieferketten aus Neuseeland oder Marokko.

Der Hauptteil
In den einzelnen Kapiteln präsentiert er eine Fülle von Gedanken und Informationen. Ich erfahre viel darüber, was in der Landwirtschaft falsch läuft und teilweise auch die Hintergründe, wie es dazu kam. So ist er der erste, bei dem ich die Schlussfolgerung lese, dass die natur- und tierfreundlichen Alternativen einfach zu preiswert sind. Es verdient niemand daran, kein Pestizid zu verkaufen. Daher gibt es keinen Wirtschaftsverband, der sich in der Politik für die Lösung „Weniger“ stark macht.

Und nun?
Tolle Informationen! Zum Beispiel habe ich mich schon oft gefragt, weshalb einzelne Insekten so extrem wählerisch sind, was die Futterpflanzen angeht. Tja, die Pflanzen und die Insekten kennen sich halt schon ein paar hunderttausend Jahre. Da wird man zum eingespielten Team. Hinzu kommt, dass Pflanzen oft Abwehrmechanismen entwickelt haben und es auf der anderen Seite Insekten gibt, die sich auf die Umgehung genau dieses einen hochspezialisierten Abwehrmechanismus eingestellt haben.

Mühsam! Alles ist sehr verständlich geschrieben, aber oft länger als nötig. Mich als Leser hat er längst überzeugt – aber dann schreibt er noch fünf Seiten weiter und kommt am Ende doch zu dem Ergebnis, das nach der Hälfte schon klar war. Teilweise mischen sich in einem einzelnen Kapitel auch mehrere Themen. Da wäre die Aufteilung in kleinere Abschnitte hilfreich gewesen. Ich habe mir viele Stellen angestrichen. Im Gesamteindruck gehen diese wichtigen Ideen etwas unter, weil die Geschichten darum herum so ausführlich sind.

Die Vision bleibt aus… Der eigene Garten aus dem Titel kommt zu selten vor. Ja, David Goulson ergänzt seine Beobachtungen der Natur oft um Ergebnisse oder Messwerte aus seinem Garten. Ja, es ist wirklich beeindruckend, wie viele Regenwürmer in David Goulsons Garten pro Quadratmeter leben. Aber dass ein Gartenboden vielfältiger und nährstoffreicher ist als eine Getreide-Monokultur, das ist nicht verwunderlich. Von der versprochenen Kunst die Welt zu retten schreibt er sehr wenig Konkretes. Die Regenwürmer sind ja schon jetzt in meinem Gartenboden (hoffentlich) aber was genau kann ich selbst in meinem Garten tun um die Welt zu retten? Also wirklich ICH und nicht „die Politik“, „der Kleingartenverband“ oder „die Landwirtschaftseinkaufsgenossenschaft“.

Fazit Toll geschrieben und viele lesenswerte Inhalte. Leider schürt der Titel Erwartungen, die er nicht erfüllen kann.

2 Gedanken zu “Buchvorstellung: Dave Goulson „Wildlife Gardening – Die Kunst im eigenen Garten die Welt zu retten“

    • Das kann gut sein und ist leider dringend nötig. Gerade gestern hatte ich ein Gespräch mit einer durchaus naturverbundenen Bekannten, die der Meinung ist, dass sich das mit dem Klima von alleine einrenken wird. Ich war echt schockiert. Es gibt noch immer Menschen, die den Klimawandel zwar sehen und anerkennen, aber dann glauben, es werde von alleine wieder besser.
      Dann muss Dave Goulsons Buch noch länger sein und die Fakten noch öfter wiederholen!

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