„Wohl und Wehe“-Wetter im Garten

Nach den letzten Sommern habe ich mich auf weitere Hitze eingestellt. Ich habe neue Wassertanks angeschlossen und mich gefreut, dass die trockenverträgliche Schafgarbe sich in der Rasenwiese ausbreitet. Die Tomaten stehen in Kübeln ohne Wasserabfluss, damit sie jeden Tropfen Gießwasser genießen können. Mein Garten und ich waren echt vorbereitet und sogar ein bisschen stolz darauf, auf die häufigere Trockenheit zu reagieren. Stattdessen ist es selbst im Juli noch immer ein Kälte- und Regenjahr. Wahrscheinlich gar nicht einmal unterhalb des Durchschnitts, aber mich als Mensch fröstelt es jeden zweiten Morgen, wenn ich bei 16 Grad zum Frühstück auf der Terrasse sitze.

Die Pflanzen im Garten haben offensichtlich ganz andere Bedürfnisse als ich. Vielen geht es blendend oder vielleicht beschreibt es „dunkelgrün“ besser. Die Wiese wächst wie seit Jahren nicht. Zwei Kürbisse haben in kürzester Zeit ein komplettes Hochbeet gekapert. (OK, es war eh frei.) Die Gurken reifen schneller, als wir sie essen können. Das erinnert deutlich an die berühmte Zucchinischwemme. Aber keine zwei Meter neben den Gurken welken die Tomaten. Die Temperaturen reichen nicht aus, um die Pflanzen nach den zahlreichen Regengüssen zu trocknen. Die drei ersten Pflanzen werde ich wohl komplett entfernen müssen. Noch vor der ersten roten Tomate. So dicht liegen Wohl und Wehe nebeneinander.

Wie wird es nun weitergehen mit den Tomaten, der Schafgarbe und mir? Soll ich es wagen, das umkämpfte Wort Klimawandel zu verwenden? Sicher werden einige sagen, dass die kühlen Temperaturen doch jedem der Schulschwänzer und Panikmacher deutlich machen, dass der Klimawandel erfunden ist. Leider bin ich zu sehr Naturwissenschaftler, um mich von Wörtern wie Wetterkapriolen einlullen zu lassen. Klimawandel betrifft eben nicht nur mein kleines Dorf, sondern die ganze riesige Welt. Mein Städtchen liegt genausoweit im Norden wie Calgary in Kanada. Vielleicht bedeutet der Klimawandel für meine Region, dass die durchschnittlichen Höchsttemperaturen sinken. Gleichzeitig ist Spanien längst auf dem Weg zur Wüste.

Mir wird durch das aktuelle Jahr deutlich, dass die Schwankungen größer und plötzlicher werden. Ich muss mich bei der Auswahl des Gemüses gleichermaßen auf Trockenheit, Hitze und Dauerregen einstellen. Beim Kürbis habe ich den Eindruck, er gehört eher zur Kategorie Dauerregen. Und für die Tomaten braucht es mehr Abstand voneinander und vom Regen. Also eine bunte Mischkulturvielfalt à la Permakultur. Ich werde auch im nächsten Jahr nicht jeder meiner Pflanzen die perfekten Bedingungen bieten können. Aber vielfältige Bedürfnisse der Pflanzen heißt auch, dass es in jedem Jahr einige geben wird, die richtig gut gedeihen. In jedem Jahr andere, aber jedes Jahr genug zum sattwerden.

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