Schwarze Johannisbeeren – Ernte 2020

Ende Juni
Die Amseln fliegen in der Felsenbirne aus und ein. Ich nutze die Gelegenheit die ersten Schwarzen Johannisbeeren zu ernten. In den letzten Jahren wartete ich ab, bis alle reif sind. Kurz vor der Reife verschwand jedoch regelmäßig ein erheblicher Teil der Schwarzen Johannisbeeren spurlos. In diesem Jahr möchte ich einen größeren Teil der Ernte für mich abbekommen. Ich beginne mit der Ernte, sobald die Hälfte der Beeren reif ist. Ich hatte bei der Auswahl der Sorten zu wenig auf den Erntezeitpunkt geachtet. Daher habe ich nun eine Mischung aus „mittel“ und „spät“. Aber selbst an einem Busch sind nicht alle Beeren gleichzeitig reif.
So lerne ich jedes Jahr wieder etwas dazu: Schwarze Johannisbeeren mehrfach ernten, selbst wenn alle Büsche die gleiche Erntezeit haben.

Mitte Juli
Zweite Runde der Ernte. Die Gesamtmenge fällt recht gering aus. Ich vermute, dass ich die Büsche im letzten Jahr zu stark zurückgeschnitten habe. In den ersten Jahren war ich unsicher, ob ich etwas falsch mache und habe mich vor dem Rückschnitt gedrückt. Trotzdem hatte ich von Jahr zu Jahr mehr Ertrag. Im fünften Jahr war dann selbst für den absoluten Rückschnitt-Anfänger offensichtlich, welche Zweige alt waren. Ich habe mich zum ersten Mal an den Rückschnitt gewagt. Und siehe da, im nächsten Jahr wieder eine gute Ernte. Danach verließ ich mich dann auf die Gartenratgeber, die sagen „direkt nach der Ernte schneiden“. Meine Johannisbeeren sagen aber „jedes Jahr schneiden ist genauso schlecht wie gar nicht schneiden“.
Also noch etwas gelernt: Schwarze Johannisbeeren nur alle zwei oder drei Jahre zurückschneiden. Die Beeren wachsen nicht nur an den einjährigen Zweigen. Bei längeren Abständen zwischen den Rückschnitten ist leichter erkennbar, welche Zweige raus müssen.

Gärtnern ist Leben im Rhythmus der Natur
Gerade ist es frustrierend, dass ich weniger ernte als erhofft. Dennoch bin ich immer wieder tief berührt davon, wie sehr jede einzelne Pflanze im Garten mich mit dem Rhythmus des Lebens verbindet. Als ich anfing mit Gärtnern, las ich viel über Gemüsepflanzen, Staudenbeete und Obstsorten. Alles klang verständlich und fast nichts davon funktionierte bei mir. Mittlerweile ist nicht einmal ein Jahrzehnt vergangen und ich beginne meinen Garten zu verstehen. In der Wiese setzt sich immer mehr die Schafgarbe durch. Im Sommer bin ich dankbar für den Giersch, weil nichts anderes wächst, das ich regelmäßig als Mulchmaterial mähen kann. Die Tomaten werden ohne Gewächshaus erst Ende Juli rot, ganz egal wie sehr ich mich Mühe. Und der Johannisbeerbusch ganz rechts steht zu sehr im Trockenen.

Die Welt um mich herum wird von Tag zu Tag verrückter. Jeder, der kurz nachdenkt, kann seine eigenen Beispiele nennen. Die Welle der Solidarität und Kreativität, die durch Corona ausgelöst wurde, ist längst wieder vorbei. In der Ferne schwärmt ein alter Mann mit gelbgrau wehenden Haarresten davon wie toll er ist, weil in seinem Land nur 100.000 Menschen an einem Virus gestorben sind, den es wahrscheinlich gar nicht gibt. Hier bei uns fordern die Schnitzelproduzenten, dass sie endlich wieder zahllose Tiere umbringen dürfen, damit es den Tieren besser geht als im Stall. Ich aber gieße einen Johannisbeerbusch.

Meine Frau hat ein neues Hochbeet gebaut. Ich hole mir einen Saatgutkatalog mit Wintergemüse als Frühstückslektüre. So kann es werden. Stück für Stück, in kleinen Schritten, im eigenen Leben die Dinge verändern.

2 Gedanken zu “Schwarze Johannisbeeren – Ernte 2020

  1. Es ist eine Freude Dich bei Deinen Entdeckungen begleiten zu dürfen. Du macht es genau richtig. Ich hab es in meinem Garten ähnlich erlebt. Schritt für Schritt.. , es wird schon. Der Lohn ist eine unglaublich große Freude und Kraft, die einem der Garten schenkt. Das ist auch eine Ernte, eine Art imaterieller Ernte, die unendlich kostbar. Liebe Grüße!

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    • Danke! Ich habe oft den Eindruck, das „die anderen“ in NullKommaNix den perfekten Selbstversorgergarten anpflanzen und ich trotz 15 Büsche Johannisbeeren immer noch Saft zukaufe, damit es für den Gelee reicht. Aber ja, Du hast recht. Danke für die Erinnerung. Es ist nicht das höher-schneller-weiter. Im Gegenteil, davon will ich immer weiter weg. Jede Stunde im Garten bringt mehr Glück als eine Woche im Büro.
      Liebe Grüße, Uhle

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