Alles kann ein Unkraut sein

Ein Gärtner ist die Liebe zur Natur in Person. Er hegt und pflegt die Pflanzen und überhaupt, er ist es, der im Rhythmus der Natur lebt.

Gleichzeitig reihe auch ich mich an so manchem Wochenende in die Schlange vor der Kompostanlage ein. Da stehen sie, die liebevollen Gärtner mit den praktischen PKW-Anhängern und bringen all das was sie in ihrem Garten nicht haben wollen hierher. Selbst im liebevoll gepflegten Garten gibt es also irgendwo den Widerspruch zwischen Freude am Wachsen und dem Vertreiben des Ungewollten.

Auf einer Skala von Kiesgarten bis Permakultur liegt mein Garten irgendwo auf halbem Wege. Hoffentlich mit einer für Tiere und Pflanzen hilfreichen Tendenz in Richtung Permakultur. In einem Kiesgarten gibt es nichts als Steine und vielleicht einen traurigen immergrünen Strauch, der dort vergraben wurde und nicht aus eigener Kraft fliehen kann. Allein das Wort Kiesgarten ist schon ein Widerspruch in sich. In der Permakultur wird alles wiederverwendet, was im Garten wächst.

In diesem Jahr wird mir besonders deutlich, dass jede Pflanze zum Unkraut werden kann. Natürlich gibt es die Klassiker wie Quecke, die keiner haben will. Doch was ist mit der Schafgarbe in den Ritzen zur Kellertreppe oder der Akelei zwischen den Salatköpfen? Die ersten Blätter wirken noch pittoresk, und man ist heimlich ein bisschen stolz darauf auch einmal ein zufällig entstandenes Miteinander fotografieren zu können. So wie die Bilder in der Landlust gerne aussehen eben. Doch wenn Akelei, Pimpinelle und Gänsefingerkraut das Salatbeet unter sich aufteilen, dann ist Schluss mit lustig. Dann sind sie Unkraut. Meine aktuellen Unkräuter des Jahres sind: Vogelmiere, Hainbuche, Staudensonnenblumen und Efeu.

Vogelmiere
Während der Wintermonate hat sich eine dicke Schicht aus Vogelmiere über das Hochbeet gelegt. Um Platz für die Salatpflanzen zu finden, musste ich kräftig roden. Und das obwohl die Vogelmiere eigentlich genauso essbar ist, wie mein vorgezogener Kopfsalat. Also im Frühjahr so lange Vogelmiere knabbern bis das Beet frei genug für den „richtigen“ Salat?

Hainbuche
Unser Garten ist auf zwei Seiten von einer Hainbuchenhecke umschlossen. Die Sämlinge der Hainbuche finden sich überall im Garten. So schön die Hainbuche als Hecke auch ist, ohne Gegenwehr würde im Laufe der Jahre der ganze Garten zur Hecke. Dornröschen lässt grüßen.

Staudensonnenblumen
Vor Jahren habe ich mich über einen Topf Staudensonnenblumen von den Schwiegereltern gefreut. Ich selbst hatte darum gebeten. Mittlerweile rupfe ich so viele als möglich aus. Anfang Juni sind die Stängel stabil genug, dass ich kräftig und doch sanft daran ziehen kann. Viele lassen sich mitsamt des Rhizoms herausziehen. Ich habe nichts darüber gefunden, dass die Rhizome essbar sind. Das wäre eine angenehme Lösung: Staudensonnenblumen wuchern und blühen lassen und im Herbst den Teller damit füllen.

Efeu
Efeu ist für mich mittlerweile ganz eindeutig ein Unkraut. Nachdem ich ihn vor zwei Jahren dabei erwischt habe, wie er unter dem Hausputz verschwand und einen halben Meter entfernt wieder zum Vorschein kam, ist meine Liebe zu dieser Pflanze vollständig verschwunden. Mir ist unklar, weshalb jemand den Efeu freiwillig eine Hausfassade erobern lässt. Über kurz oder lang wird er seine Blätter auch durch die Tapete schieben oder am Heizkörper entlangranken.

 

2 Gedanken zu “Alles kann ein Unkraut sein

  1. Hoi Uhle
    Ich finde den Begriff Kiesgarten kein Widerspruch – falls …
    dort dann auch die trockenheitsliebenden Hungerkünstler richtig wildwachsen dürfen. Unser Kiesbeet ist auf jedenfall ein Platz voll mit Leben.
    Wenn ein Kiesgarten natürlich nur als pflegeleicht und leer angelegt wird, dann bin ich ganz bei Dir.

    Du hast ja so recht – ich nenne sie „die Geister die ich roef“. 🙈🙈🙈
    Akelai, Schafgarbe, wilde Möhre, Teppichsedum 🌱🌱🌱🌱 und so weiter. Wenn Du davon brauchst melde Dich 👋🏻

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    • Hallo Pascale, ich dachte eher an die Kiesgärten des Grauens… Aber ja, man kann aus Kies und Pflanzen auch ein lebendiges Beet gestalten!
      Die Akelei wuchert noch recht wenig, aber ich behalte sie im Auge. Schafgarbe, die war schon vor mir da, der halbe Wiesenrasen besteht aus Schafgarbe, Gundermann und Scharbockskraut. Zum Glück sind auch ein paar Duftveilchen dabei. Mein „Geist, den ich rief“ war das Gänsefingerkraut. Zum Glück bin ich es noch rechtzeitig wieder los geworden.
      Viele Grüße, Uhle

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