Gelbe Blüten im Mantel der Alchemisten (Frauenmantel)

Über den Blättern des Frauenmantels schwebt eine gelbe Wolke aus winzigen Blüten. Was ist dabei schon Blüte und was ist noch Knospe? Die Supernah-Einstellung der Kamera lässt mich staunen, dass Blüte und Knospe gleich gelb und winzig sind. Das Gartenlexikon nennt die Blüten unscheinbar. Nur weil sie klein sind? Rapsfarbene Miniaturen, das wäre mal eine Beschreibung, die Lust auf Frauenmantel macht! Aus allernächster Nähe sind die winzigen Blüten beeindruckend wie die glitzernden Wassertropfen in den Blättern.

Die Alchemisten hielten die Tropfen, an und in den trichterförmigen Blättern des Frauenmantels für flüssiges Gold und nutzten es für ihre Experimente. Daher hat der Frauenmantel seinen lateinischen Namen: Alchemilla, die kleine Alchemistin. Die Alchemisten müssen Menschen mit Humor und einem Gespür für Schönheit gewesen sein. Eine Pflanze der sie zutrauen flüssiges Gold zu erschaffen wird nicht als teuflischer Konkurrent gesehen, sondern als eine der ihren.

Der Frauenmantel ist eine Heilpflanze, der mannigfaltige Heilwirkungen zugesprochen werden. Wenn man das Internet lange genug befragt, findet sich kaum eine Krankheit, bei der Frauenmantel nicht Linderung bringen kann. Ein wahres Wunderkraut.

Immer wieder stoße ich beim Schreiben über Heilpflanzen auf Kräuter, die fast gegen alles helfen. Hätte ich sie doch bloß gezählt, dann könnte ich mittlerweile eine Kartei der Wunder- und Allheilkräuter anbieten. Dank solch wundertätiger Mittel, die allesamt im Mittelalter bekannt waren, leben die sicherlich unsterblich gewordenen Kräuterweisen aus lang vergangenen Tagen wahrscheinlich immer noch unter uns. Sie sind es wohl, die uns modernen Menschen den Weg zurück zur heilen Natur weisen und uns dabei helfen diese Wunderkräuter mühsam wiederzuentdecken.

Doch ernsthaft: Ich gönne dem Frauenmantel alle seine Heilkräfte. Ich aber bin skeptisch, wenn eine Arznei – ganz gleich welche – gegen zahlreiche, völlig verschiedene Leiden helfen soll. Wenn dann noch vehement auf „vergessenes Wissen“ verwiesen wird, werde ich endgültig hellhörig. Ich frage mich dann, woran es gelegen haben mag, dass altes Wissen verloren gegangen ist. Bei Heilpflanzen und deren Wirkung ist der Grund oft der technische Fortschritt. Wenn es eine fertige Arznei in der Apotheke zu kaufen gibt, macht sich kaum noch jemand die Mühe, die Pflanze selbst zu sammeln und zu verarbeiten. Das Wissen um die Wirkung ist also nicht wirklich vergessen. Es ist in praktische Arzneimittelröhrchen verpackt. Leider geht bei diesem Wandel vom Selbersammeln zum technischen Fortschritt oft der Bezug zum ursprünglichen Handwerk verloren.

Was steckt denn nun im Frauenmantel und für was ist er gut? Das Kraut ( = alle oberirdischen Pflanzenteile) enthalten einen hohen Anteil an Gerbstoffen. Gerbstoffe wirken zusammenziehend (adstringierend), austrocknend und blutstillend. Außer im Frauenmantel kommen Gerbstoffe z.B. auch in Eichenblättern, Gänsefingerkraut, Salbei oder Gundermann vor. Eine nachgewiesene Wirkung hat der Frauenmantel bei leichtem Durchfall.

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