Gartenreise: Alpenpflanzengarten Vorderkaiserfelden

Zusammen mit einigen Freunden aus der Studentenzeit erwandere ich mir einen kleinen Teil des Zahmen Kaisers bei Kufstein in Tirol. Ausgangspunkt für die Tour ist die Vorderkaiserfeldenhütte. Was für mich eine echte Herausforderung ist, wirkt für viele andere hier oben als alltägliche Übung. Unsere Tour führt über die Nauenspitze, das Petersköpf schließlich zur Pyramidenspitze. Der Blick ins Inntal oder über die umliegenden Berggipfel ist wirklich beeindruckend. Ebensosehr faszinieren mich jedoch die Pflanzen die ich hier sehe. Die Bergwelt ist wirklich eine eigene Welt. Manches, das ich kenne, blüht hier viel später als zu Hause im Flachland und Vieles ist mir wirklich fremd. Hier würde ich gerne einmal eine geführte Pflanzenwanderung machen.

Spontan muss ich an den Forschungs- und Natur-Reisenden Alexander von Humboldt denken, der an vielen Orten der Welt tausende von Pflanzen gesammelt hat. Gerne würde auch ich hier einige Pflanzen ausgraben, um sie im eigenen Garten weiter zu kultivieren oder überhaupt erst einmal herauszufinden, was genau es ist. Natürlich mache ich genau dies nicht! Viele der Pflanzen, sind geschützt und zumindest in den Alpen ist keine Forschungsexpedition zur Bestimmung von unbekannten Pflanzen mehr erforderlich. Da wäre Ausbuddeln eindeutig Vandalismus und nicht Forschergeist. Einzig von einem mir unbekannten Storchschnabel pflücke ich einige wenige Samenkapseln.

Direkt neben der Vorderkaiserfeldenhütte findet sich der Alpenpflanzengarten des Vereins zum Schutze der Bergwelt. Dieser Garten existiert mittlerweile seit fast 100 Jahren und beherbergt etwa 300 Pflanzenarten. Auf der Wanderung hatte ich immer wieder Pflanzen gesehen, die ich zwar nicht kenne, die aber an Bekanntes erinnerten. Jetzt im Alpengarten treffe ich einige davon wieder und verstehe dank der zahlreichen Pflanzschilder, was ich gesehen habe. Die Schlüsselblume blüht tatsächlich auf 1500 Meter Höhe jetzt noch. Vielleicht ist es auch eine Aurikel. Beides hat die Primel im lateinischen Namen und sieht für mich fast gleich aus (Primula veris und Primula auricula). Eine Pflanze, die mich an Rittersporn erinnert hat, stellt sich nun als Wolfs-Eisenhut vor. Auch dies ist ein Grund, die Finger von unbekannten Pflanzen zu lassen. Wenn der Wolfs-Eisenhut nur annähernd so giftig ist wie der Blaue Eisenhut, wäre ich mit meiner Beute wohl nicht weit gekommen! Ein kleiner, knorriger Busch mit fleischigen Blättern ist tatsächlich mit den mannshohen Rhododendren der englischen Landschaftsparks verwandt (Rhododendron hirsutum). Die Sterndolde blüht und wuchert im Alpengarten fast wie ein Unkraut. Im eigenen Garten habe ich sie mühsam angesiedelt. Hier wächst sie nicht nur in freier Natur sondern auch noch viel prächtiger.

Angeregt durch einen Flyer des Projektes ArnikaHessen hatte ich das Experiment gewagt eine Arnika im eigenen Hügelland-Garten anzusiedeln. Nun bin ich erfreut die echte Arnika auf Schritt und Tritt zu sehen. Als ich mich mit einer der Betreuerinnen des Alpengartens darüber unterhalte, erfahre ich jedoch, dass dies gar keine Arnika ist. Da war ich so überzeugt von dem Gedanken „Arnika wächst in den Alpen“, dass ich Arnika gesehen habe, wo gar keine wächst. So kann es einem gehen mit liebgewonnenen Vorstellungen, von etwas, das man noch nie gesehen hat. Im Gegensatz zur kalkliebenden Sterndolde braucht Arnika sauren Boden. Damit lässt sich vereinfacht sagen, dass in freier Natur immer dort, wo Sterndolde wächst, kein Arnika vorkommt. Das was ich gesehen habe ist das Ochsenauge.

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