Die morsche Zeder

Es war einmal eine morsche Zeder. Sie bot einem Specht eine Beschäftigung und sorgte ansonsten mit reichlich fallenden Nadeln dafür, dass weder Rasen noch Staudenbeet gediehen. Ich wollte nicht darauf warten, dass mir die Zeder in einem Herbststurm von alleine auf den Rasen kippt. Vielleicht hätte sie auch die Garage zertrümmert oder auf der Straße vorbeilaufende Passanten in Angst und Schrecken versetzt. Schlimmeres als den Schrecken hätte in diesem Fall die Garage verhindert, die der Zeder den Weg zur Straße verschließt. Auf nichts davon wollte ich warten und habe die Zeder fällen lassen. Das Holz brannte zwei Jahre später so gut, wie morsches Holz eben brennt und mit dem Rasenmäher fahre ich nun seit Jahren mühsam um den Stumpf der Zeder herum.

Irgendwann im Winter, nachdem ich festgestellt hatte, dass die Kettensäge so stumpf geworden war, dass es sehr mühsam wurde, damit weiterzuarbeiten, dachte ich mir „Jetzt kann ich die Kette auch vollends ruinieren“. Gesagt getan, ich grub einen schmalen Graben um die Wurzel der alten Zeder und sägte den Stumpf so tief wie möglich ab. Danach war die Kette völlig unbrauchbar – ganz egal wie vorsichtig man dabei vorgeht, man erwischt doch etwas Erde und dadurch wird die Kette stumpf – aber ich hatte in nur zwei Stunden den halben Baumstumpf entfernt. Das brachte mich auf eine Idee: Wie wäre es, eine neue Kette einzusetzen, zu riskieren, dass sie ebenfalls unbrauchbar wird, aber in weiteren zwei Stunden den Stumpf der Zeder endlich los zu sein? Der Rest der eigentlichen Wurzel könnte dann in aller Ruhe in den nächsten zahlreichen Jahren von alleine im Boden vermodern.

Lange Zeit waren andere Dinge wichtig, aber am letzten Wochenende waren die Tage der zweiten Baumstumpfhälfte gezählt. Ich den Graben noch einmal vertieft und die Wurzel so gut es geht von Erde befreit. Danach ließ sich problemlos die zweite Hälfte des Baumstumpfes entfernen. Der Baum, der Stumpf oder die Wurzel, die Übergänge sind da sehr fließend, ist nun bis knapp unter der Grasnarbe entfernt. Die angrenzende Wiese habe ich etwas eingeebnet und das verblieben Loch aufgefüllt, so dass nun eine völlig ebene Fläche vorhanden ist. Insgesamt habe ich einen halben Tag und den Preis einer neuen Kette für die Kettensäge dafür investiert. Im Vergleich zum Mini-Bagger oder der Fräser erscheint mir dies als sehr günstige Variante. Allein für die Zeit, die ich ab jetzt bei jedem Rasenmähen spare, hat sich die Arbeit gelohnt.

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