Späte Liebe für Mangold

Als Kind konnte ich Spinat nicht leiden. Als Jugendlicher entdeckten meine Eltern – lange Zeit, bevor es zum Trendgemüse wurde und fernab von Norddeutschland – den Grünkohl für sich und leider auch für den Familien-Speiseplan. Vielleicht ist ja einfach nur irgendetwas bei der Informationsübermittlung zwischen Norddeutschland und dem Kochtopf meiner Eltern verloren gegangen, auf jeden Fall war für mich der Umstieg von Spinatbrei aus der Tiefkühl-Truhe des Supermarktes, zum Grünkohlbrei aus dem Garten, der Auslöser sämtliche Gemüse, die sich zu grünem Brei verarbeiten lassen, abzulehnen.

Auch ein mehrjähriger Aufenthalt am Rande von Norddeutschland, hat meine Einstellung zu grünem Gemüsebrei nicht verändert. Wenn ich ein Datum für eine „Wende“ bei dieser Einstellung nenne müsste, so ist es wohl am ehesten die documenta 13 und die dortige Installation „Mangoldfähre“. Inzwischen ist es sogar so weit gekommen, dass ich von mir aus vorschlage, doch mal wieder frischen Blatt-Spinat zu kaufen oder noch eine weitere Reihe Mangold auszusäen. Ich vermute, das Geheimnis des Wandels liegt einerseits in dem Wort BLATT und andererseits in der Weiterentwicklung des eigenen Gartens bzw. der Beschäftigung mit dem Thema Selbstversorgung. Zum Einen (Blatt) haben blanchierte Mangold-Blätter eine ganze andere visuelle und haptische Anmutung als ein formloser grüner Brei. Zum Anderen (Selbstversorgung) bleibt von einem großen Berg Mangold oder Spinat im Beet (Grünkohl hat bei mir weiterhin Hausverbot) zwar nur sehr wenig auf dem Teller übrig, aber es ist ein Gemüse, dessen Anbau leicht gelingt und für Anfänger daher gut geeignet ist.

So ist der zwar der „Grüne Brei-Bann“ gelöst, aber die praktische Umsetzung war dann doch schwieriger als gedacht. Die ganze Welt der Selbstversorgung ist faszinierend – solange man jeden Tag in den Supermarkt gehen kann und das kauft, was man gerne essen mag. Der Umstieg zur Selbstversorgung bedeutet nicht nur, Gemüse selbst anzubauen, sondern auch, es immer dann, wenn es reif ist auch zu essen – ganz egal, was man gern essen möchte. So blieb dann oft der Mangold auf dem Beet wenn er reif war, weil er nicht in den Tagesrhythmus passte oder der Speiseplan gerade von anderen Ideen dominiert wurde.

Mittlerweile habe ich eine praktikable Lösung gefunden: Ich ernte den Mangold, wenn er reif ist, putze ihn und friere ihn roh ein. Der gefrorene rohe Mangold, lässt sich dann vielfältig weiterverwenden (sogar um Fertigpizza aufzubessern :-) ) Umständliches Blanchieren kann völlig entfallen – auch gefrorener Mangold ist kurzer Zeit zubereitet – und die Zeitpunkte für „Ernte“ und „Essen“ sind entkoppelt. Der Weg bis zu echter Selbstversorgung ist noch weit, aber ein erster kleiner Schritt ist gemacht, um die selbst angebauten Produkte besser zu verwenden. Eine Art „Selbstversorgung light“ für Büro-Angestellte und Wochenende-Gärtner.

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2 Gedanken zu “Späte Liebe für Mangold

  1. das Bild ist aber nicht in eurem Garten???? ;-)) oder gibt es da noch Stellen die ich nicht kenne?????
    Ansonsten musste ich sehr lachen bei Deinem Text – so ging es mir mein ganzes Leben mit Wirsing – und dank Deiner Suppe neulich durfte ich entdecken, wie lecker der schmeckt…

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    • Liebe Julia, das stimmt, dies ist ausnahmsweise ein Photo, das nicht aus meinem Garten stammt. Es ist die „Mangioldfähre“ der letzten Documenta.
      Freut mich zu lesen, dass Dir nun Wirsing schmeckt. Vielleicht beim nächsten Besuch mal ein Versuch mit Wirsing-Roulade??? Viele Grüße, Uhle

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