„Konzentration auf das Wesentliche“ (Teil1: Nutzgarten)

Dieses Zitat kenne ich von dem Management-Trainer Fredmund Malik. Durch die Tomaten wird mir deutlich, dass diese „Weisheit“ genausogut auch im Garten gilt. Oder ist es andersherum und Malik hat es genauso aus dem Garten abgeschaut wie mir es jetzt mit meinem Garten deutlich wird und es ins Management übertragen? Aber egal, wer weshalb diese Erkenntnis zuerst hatte, ich stelle fest, dass sie für mich stimmig ist. Wenn mein Garten nicht ein Sammelsurium werden soll, muss ich herausfinden, was für mich das Wesentliche ist und mich darauf konzentrieren.

Heilkräuter

Ich finde Heilkräuter sehr beeindruckend. Dass da in Wald und Wiese etwas wächst, für das ich als „moderner“ Mensch in die Apotheke gehen muss, ist faszinierend. Da gibt es Pflanzen, die wenn ich sie richtig sammle und bearbeite mich genauso heilen wie die Pillen des Hausarztes? Wow! Über diese Allgemeine Faszination des Themas bin ich allerdings bisher nicht hinaus gelangt. Auch ist mein Alltag zu unregelmäßig, als dass ich mich an bestimmte Zeitpunkte und Zeitspannen für Ernte, Trocknung oder Zubereitung von Auszügen halten könnte.

Selbstversorger

Wenn ich schon keine Heilkräuter anbaue, dann doch wenigsten die Lebensmittel, die ich selbst esse. Was liegt näher als mit einem großen Garten zum Selbstversorger zu werden?

Der Salat ist in diesem Jahr nichts misslungen. Erst ist die Aussaat nichts geworden und dann sind die als Setzlinge gekauften Köpfe auf dem Beet verdorben, weil wir zu wenige davon gegessen haben. Den ganzen Winter von Weißkohl und Wirsing leben? Das ist die ersten zwei Wochen ein echtes Erlebnis, aber danach dann doch eher etwas, dass ich an Anderen beeindruckend finde, aber nicht wirklich selbst haben muss. Ich glaube, dass es wirklich Menschen gibt, die es hinbekommen, hauptsächlich von dem zu leben, was sie selbst anbauen. Aber das sind wohl weit weniger als die, die darüber schreiben. Vielleicht haben die, die es schaffen einfach auch gar keine Zeit zum Schreiben.

Was ist also für mich das Wesentliche?

„Handeln bringt Klarheit“. Das ist ein weiteres Zitat, das zu diesem Thema passt. Ich habe dies in dieser Deutlichkeit zuerst von Veit Lindau gehört.

Manchmal muss man also einfach mal anfangen mit etwas. Einfach mal losgehen und nicht immer nur darüber nachdenken, was denn der erste Schritt sein könnte. Welches der richtige von vielen möglichen Schritten ist, das ergibt sich dann wenn man die Schritte geht.

Nach einigen Jahren buddeln, pflanzen und lernen wurde mir klar, dass „Garten“ mein Thema ist. Zuerst bin ich ein paar Schritte in die Richtung „Verkauf regionaler Produkte“ gegangen. Aber mal ehrlich, was soll ein Langschläfer wie ich, der an ein oder maximal zwei Tagen in der Woche ausschlafen kann mit einem Stand auf dem Marktplatz, den er ab 8 Uhr in der Frühe betreuen muss?

Mittlerweile haben sich die Themen „Obst“ und „Gemüse“ entwickelt. Und selbst in diesen beiden Bereichen beschränke ich mich noch auf Weniges:

  1. Der Anbau gelingt mir:

Ich brauche keine, durch den halben Garten wuchernden und am Ende, aufgrund der fehlenden Unterlage aus Stroh, dann aber doch verschimmelnden Kürbisse.

  1. Ich esse es:

Niemand isst bei uns Rote Beete. Nicht einmal der Hund.

  1. Ich habe Zeit und Platz dafür:

Ich pflüge nicht die Wiese um, damit ich endlose Reihen mit Gaze-Netzen überzogenen Lauch anbauen kann. Es ist ein Garten und kein Acker. Der Garten muss neben Obst und Gemüse noch Platz für die Seele haben.

Wenn ich dies bedenke, bedeutet „Wesentliches“ im Nutzgarten für mich:

  • Tomaten, weil sie mir Spaß machen
  • Schwarze Johannisbeeren, gibt es schlecht zu kaufen und ich mag sie als Saft und Gelee.
  • Zucchini, lassen sich unkompliziert anbauen und leicht verarbeiten

Aronia, Holunder, Salat, Mangold, Erdbeeren, Rhabarber und Kräuter gehören als Ergänzung mit dazu.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich weder Tomaten angebaut habe noch Aronia überhaupt kannte. Das Wesentliche entsteht zum Teil erst durch das Handeln. Einfach mal anfangen, mal losgehen.

Es ist ein Vergnügen die ersten Worte einer Geschichte zu schreiben. Man weiß nie wohin sie einen führen wird. Mich haben sie hierher(*) geführt. (Beatrix Potter)

Es ist ein Vergnügen die ersten Schritte eines Weges zu gehen. Mich haben sie bisher zu Tomaten und Gartengedanken geführt.

GG-2015_15 - Wesentliches

* Als Malerin, Autorin und Landschaftsschützerin in den Lake District in England

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.