Sommerabend mit Igel

Die Mauersegler fegen durch den Abendhimmel. Mit ihren spitzen Schreien jagen sie um die Hausecken. Shriie-shriie! Die Dämmerung nimmt dem Sommertag langsam die Hitze. Ein erster kühler Abendhauch weht durch den Garten. Ein Rascheln in der Hecke! Eine späte Amsel? Da wieder. Wir sitzen ganz still auf der Gartenbank. Nach dem dritten vierten Rascheln trippelt ein Igel aus der Hecke hervor.

Der Igel macht sich über das für ihn verstreute Katzenfutter her. Gierig, hungrig schmatzt er ein Trockenkeks nach dem andern. Hat er heute noch nichts anderes gegessen? Wir fürchten, dass dies so ist. Meine Frau hatte am Ende des Winterschlafes ein Igelhaus gebaut. Ein sicherer Futterplatz, der so mit engen Gängen und Winkeln gestaltet ist, dass ihn (fast) nur Igel erreichen können. Immer wieder einmal war das Futter aufgegessen. Dann wieder tagelang nicht angerührt. Wir wissen noch immer zu wenig über Igel, als dass wir verstehen, warum sie an manchen Tagen gierig fressen, als seien sie am Verhungern aber dann tagelang nicht erscheinen.

Während der Igel noch frisst, raschelt es noch einmal in der Hecke. Ein zweiter Igel kommt aus dem Versteck. Beide recht klein. Aber nicht abgemagert. Die Tage verbringen sie wahrscheinlich unter der Hecke. Zumindest jetzt im Sommer. Wir wissen nicht, wo sie den Winter überstanden haben. Nachdem sie den Winter überlebt haben, droht ihnen auch jetzt noch Hunger. Es gibt zu wenige Insekten zu fressen. Selbst Schnecken haben wir kaum. Und für die Igel sind Schnecken nur die Notration. Oft „vergiften“ sie sich mit den Schnecken. Holen sich Krankheiten und haben nach dem Hunger dann Parasiten, die sie nicht mehr loswerden. Schnecken sind für Igel wie Salzwasser für Schiffbrüchige. Es schadet mehr, als es hilft.

Gegen den Hunger verteilen wir nun besondere Sorten Katzenfutter, die für Igel geeignet sind. Dazu ab und an ein gekochtes Ei. Der Hunger ist damit vorerst gestillt. Gegen die zweite Lebensgefahr können wir nur bei uns im Garten etwas tun: Mähroboter. Inzwischen sterben mehr Igel an Motorsensen und Mährobotern als im Straßenverkehr. Die Verstümmelungen sind so heftig, dass sie meist daran sterben. Einen Rasen zur Wiese verwildern zu lassen ist sowieso der bessere Weg. Mehr Wildkräuter, mehr Wildbienen, mehr Insekten, mehr Nützlinge, mehr Futter für Igel. Mehr Sicherheit für Igel. Ja, ein bisschen Löwenzahn wächst dann auch. Stört das irgendwen außer den Rollrasenverkäufer? Und wenn es unbedingt ein Rasen sein muss: Rasen kann man tagsüber und selbst mähen. Rettet die Igel. Weg mit dem Mähroboter-Zeugs!

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