Gartentagebuch 2021 – Das Gartenjahr in 52 Wochen

3. Januar
Das Best-of aus fünf Jahren Uhles Gartengedanken erscheint als Buch.

10. Januar: Schnee auf den Beeten
Spät im letzten Jahr hatte ich noch Feldsalat und den Asia Salat Red Giant gesät. Nun liegt eine dünne Schicht Schnee auf den frisch gekeimten Blättchen. Wenn ich den Schnee vorsichtig zur Seite kratze, kann ich sie sehen.

17. Januar: Überraschungswinter
Nach den letzten beiden milden Wintern rechne ich gar nicht mehr mit Schnee und Frost. Das aktuelle Wetter zeigt mir, dass es doch noch Schnee gibt. Meist bleibt er nur zwar zwei, drei Tage liegen, bevor er taut. Aber gelegentlich kommt auch mal wieder neuer Schnee dazu. Insgesamt hangelt sich das frostige Tauwetter an der 0 °C Grenze entlang.
Wo in den letzten Jahren die ersten Schneeglöckchen blühten, macht sich gerade heute eine dünne aber geschlossene Schneedecke breit.

24. Januar: Bei mir wächst noch nix!
Ich entscheide mich gegen das Wettrennen um die erste blühende Paprika oder erntereife Zucchini im Februar. Stattdessen aquarelliere ich Buchen- und Ahornblätter. Ich hoffe, dass „meine“ Pflanzenbörse im Mai in diesem Jahr stattfinden kann und möchte mein Pflanzensortiment mit Aquarellpostkarten ergänzen.

31. Januar
Teetrinken ist weiterhin die einzige „Gartenarbeit“, der ich nachgehe. Ich belagere das Wohnzimmer mit Gartenzeitschriften und meinem Stapel ungelesener Bücher.

7. Februar
Seit Jahren liegt zum ersten Mal wieder dick Schnee. Die Wettervorhersage- und Nachrichtenseiten verbreiten schon seit Tagen Warnungen über 10, 20 oder gar 50 Zentimeter Schnee. 25 Zentimeter werden es dann tatsächlich.

14. Februar: Eis und Schnee und Frost
Auch die Tiere bleiben lieber in ihren Häusern oder Verstecken. Schon eine Woche liegt der Schnee im Garten herum und fast keine Spuren sind zu sehen. Einzig ein uns unbekanntes Tier durchquert jede Nacht 1 Mal unseren Garten. Für den Rückweg wählt es wohl eine andere Strecke. Jeden Morgen sehen wir eine neue Spur.

21. Februar
Im Garten ist noch nichts los. Für mich die Gelegenheit mich mit meinem neuen Thema „Bullet-Journal“ zu beschäftigen.

28. Februar
Ich beginne mit der Aussaat der Tomaten. Deutlich später als im letzten Jahr, aber immer noch recht früh. Ich habe gute Erfahrungen mit meinen kleinen Sämlingshäusern gemacht. Da ich nur drei Stück davon habe und nicht nur die Tomaten ausgesät werden wollen, fange ich als erstes mit der Aussaat der Tomaten an. Außerdem kann ich dann noch reagieren, wenn eine Sorte schlecht keimt und ich nachsäen muss.

7. März
Erneut ist es kalt geworden. Während Schneeglöckchen und Krokusse um die Wette blühen, wird deutlich, dass viele Pflanzen erfroren sind.

14. März: Auf der Fensterbank grünt es schon
Der Feldsalat aus dem letzten Spätherbst hält sich wacker. Er hat erst Frost und dann Schnee und noch mehr Frost überstanden. Aber mit dem Wachstum tut er sich schwer. Über die ersten drei bis vier Zentimeter kommt er nicht hinaus. Auf der Fensterbank grünt es aber schon. Die ersten Tomaten sind vom Sämlingshaus in größere Töpfchen umgezogen. Dazu eine Reihe Rucula, die ich gleich in einen Balkonkasten gesät habe und nur noch nach draußen bringen muss. Außerdem die ersten winzigen Pflänzchen mit Salat und Sommerwirsing. Viel mehr ziehe ich nicht vor.

21. März: Frühling?
Dick in die Winterjacke eingehüllt erledige ich die ersten Gartenarbeiten. Langsam nervt die lange Kälte. Nächste Woche soll es endlich mit dem Frost vorbei sein.

28. März
Die Wiese ist von Duftveilchen überzogen und ich kann den eigenen Feldsalat mit allerlei wilden und verwilderten Pflanzen ergänzen: Scharbockskraut, Sauerampfer, Giersch, Vogelmiere. Eine Art Kräuterwanderung im eigenen Garten.

4. April
Der Lerchensporn gehört zu den Erdrauchgewächsen gehört. Erdrauch, das klingt nach geheimnisvollen Nebelschwaden, die über den Waldboden wabern. Wo die Erde raucht, da muss der Übergang zur Anderwelt in der Nähe sein. Wird mir eine der Fabelgestalten aus Grimms Märchen erscheinen? Oder fegen die Hexen aus Theodor Fontanes „Brücke am Tay“ mit Sturmwinden und Schnee über den Garten?

11. April
Die Schachbrettblumen blühen. In der Gruppe der Frühlingszwiebelblumen sind sie eher bei den späten. In diesem Jahr sind sie ein Frühlingsgruß zwischen den Schneeschauern.

18. April
Die Tomaten bekommen neue Töpfe und Namensschilder. In den letzten Jahren sind immer wieder die Schilder in Töpfen und Kübel verloren gegangen. Daher hänge ich die Schilder direkt an die Pflanzen.

25. April
An allen Blüten summt und brummt es. Ganz egal, ob es mutwillig gepflanztes Lungenkraut (steht hoch im Kurs!) oder Unkräuter wie Löwenzahn und Gundermann sind. Da noch recht wenige Zierstauden blühen, sind die Wildbienen und Hummel sogar auf das „Unkraut“ angewiesen.

2. Mai
Endlich dürfen die Tomaten dauerhaft auf dem Balkon stehen. Es wird weitere kühle Nächte geben, an denen ich sie hineinräumen muss, aber nicht mehr der fast stündliche Rhythmus der Schneeschauer.

9. Mai
Die Mauersegler sind da! Das ist jedes Jahr eine ganz besondere Frühsommerfreude.

16. Mai
Eigentlich sind in diesem Jahr keine zusätzlichen Eisheiligen nötig. Das ganze Frühjahr war eine lange Prozession sämtlicher Kälteheiliger. An den kalendarischen Eisheiligen gibt es dann noch einmal einen kräftigen Hagelschauer. Die ersten Tomaten sind endlich im Beet, aber sie überstehen es überraschend gut.

23. Mai
Ich habe mir vorgenommen, mehr der Pflanzen kennenzulernen, die in meiner Region wild wachsen. Einige will ich auch in den eigenen Garten holen. Die Kuckuckslichtnelke ist die erste aus dieser Reihe.

30. Mai
Für das neue Hochbeet und die zahlreichen Tomatenkübel brauche ich reichlich Grasschnitt als Mulch. Ich bin fast froh, den Rasen mähen zu können, um weiteres Mulchmaterial zu bekommen. Ein Teil des Rasenschnittes wandert auf den Kompost. Zur örtlichen Grünschnittsammelstelle fahre ich nur noch selten.

6. Juni
Nach langem Zögern schneide ich alle im Winter erfrorenen Sträucher zurück. Einer der beiden Sommerflieder hat wieder ausgeschlagen. Daher hat sich das Warten gelohnt. Auch der Salbei hat wieder viele neue Triebe.

13. Juni
Während ich gebannt auf den täglichen Fortschritt der Tomaten schaue, entwickeln sich andere Pflanzen ganz selbstverständlich. Dem Rhabarber scheint das Wetter sogar zu gefallen. Die Ernte ist reichlich.

20. Juni
Zu Mittsommer ist es sommerlich warm. Lässige Tage im Garten. Bücherlesen. Nichtstun. Eisessen.

27. Juni
Mindestens 1 Mal pro Woche kontrolliere ich alle Tomatenpflanzen und breche die Seitentriebe aus. Mittlerweile sehen die Pflanzen je nach Sorte deutlich unterschiedlich aus. Ich binde die Pflanzen zum ersten Mal teilweise an Schnüren fest anstatt an Spiralstäben. Das ist eine deutliche Verbesserung. Einen kräftigen Seitentrieb lasse ich jeweils stehen und binde ihn ebenfalls an.

4. Juli
Die Kürbisse überrennen das Hochbeet. Mir war klar, dass sie viel Platz brauchen. Die Idee war, sie aus dem Hochbeet heraus auf die Wiese zu leiten. Noch ist offen, ob es gelingt.

11. Juli
Endlich koche ich Brennnesselgemüse. Ein interessanter Geschmack, aber nicht alles, was als „Wunderpflanze“ gepriesen wird, schmeckt auch gut.

18. Juli
Der lange Frost des Frühjahres ist längst überstanden, aber es bleibt oft kalt und regnerisch. Bei den Tomaten könnte ich täglich verdächtige Blätter entfernen.

25. Juli
Neustart für Krautfäuletomaten! Einige der Pflanzen sind so stark betroffen, dass ich sie komplett entferne. Von einigen anderen scheide ich gesunde Triebe, um mitten im Sommer noch einmal neue Pflanzen zu ziehen.

1. August
Immer wieder einmal gibt es sommerliche Tage. Auch wenn es diesem Jahr wenige sind. Ich nutze dies meist um glanzlose aber notwendige Dinge zu tun: Efeu-Ranken entfernen, Kompost sieben, Vorgarten jäten.

8. August
Schmetterlinge! Ich kann im eigenen Garten einige neue Schmetterlinge beobachten. Nicht nur der Wirsing hat Schmetterlinge angelockt, sondern auch einige der regionalen Wildpflanzen, wie die Acker-Witwenblume.

15. August
Der Sommer ist weiterhin sehr wechselhaft. Ich entdecke das Thema Nature Writing. Ich lese die Bücher von Nan Shepherd bis Helen Macdonald und erkunde den nahegelegenen Dörnberg mit Fotoapparat und Schreibblock.

22. August
Das Tomatenjahr ist gruselig. Eigentlich wäre jetzt Hochsaison und ich würde alle paar Tage Soße einkochen. Doch in diesem Jahr bin ich froh, wenn ich eine handvoll Früchte zum Essen ernten kann. Trotz aller Krautfäule, kann ich von allen Pflanzen etwas ernten und bekomme wenigstens einen Eindruck, welche Sorten ich im nächsten Jahr erneut aussäe. Dann vielleicht mit einem Regenschutz.

29. August
Der Holunder ist reif. Für mich ist das mein ganz persönlicher Herbstanfang. Sommer ist von der Ankunft der Mauersegler bis zur Holunderernte.

5. September
Zum ersten Mal in diesem „Sommer“ gibt es mehrere Sonnentage in Folge.

12. September
Die vor der Krautfäule geretteten Tomatenpflanzen stehen nun auf dem Balkon. Viel Abstand von Pflanze zu Pflanze und zum Regen.

19. September
Ich ernte die ersten Kürbisse.

26. September
Heute ist Bundestagswahl. Wie wird es ausgehen? Wird Deutschland eine Regierung bekommen, die den Klimawandel ernst nimmt? Oder bleiben wir bei „Die Wirtschaft wird’s schon richten“ und der Angst der Politiker vor den eigenen Wählern?

3. Oktober
Wegen des oft regnerischen und kühlen Wetters habe ich viel Zeit zu lesen. Ich lese die Klassiker des Nature Writings und entdecke eine Waldhütte, die von Henry David Thoreau stammen könnte.

10. Oktober
Die Saison der Kohlweißlinge ist vorbei. Die im Beet verbliebenen Strunken des Wirsings schlagen neu aus.

17. Oktober / 24. Oktober / 31. Oktober
Die Oktoberwochenenden verbringe ich damit, die Eibenhecke zu schneiden. Der Nachbar hat zahlreiche Büsche und kleine Bäume auf seiner Seite der Hecke entfernen lassen. Nun schneide ich seit Jahren zum ersten Mal die Hecke von beiden Seiten und kürze nicht nur die Höhe.
Wie jedes Mal, wenn ich mit der Eibe arbeite, schwanke ich zwischen Fluch und Begeisterung. Es ist ein Fluch eine Eibenhecke zu schneiden, der seit Jahren die Pflege fehlte. Eibe mag langsam wachsen, aber zum Ausgleich sind auch daumendicke Zweige so zäh, dass ich sie sägen muss anstatt zu schneiden. Außerdem ist Eibe sehr schwer. Einige sogar armdick gewordene Äste muss ich festbinden und nach dem Sägen abseilen, weil sie zu schwer sind.

7. November / 14. November / 21. November
Im Garten ist nur noch wenig zu tun. Gleichzeitig habe ich im Sommer die NatureWriting Literatur entdeckt. Ich starte ein Experiment diese beiden Themen zu verbinden: Ich betrachte den eigenen Garten aus der Perspektive des Natur-Schreibers. Es geht nicht, um die Frage welches Gemüse gerade wächst, sondern den Garten mit allen Sinnen zu erleben. Es entstehen drei erst kurze Texte. Im nächsten Jahr soll es damit weitergehen.

28. November
Eines der Hochbeete soll einen neuen Platz bekommen. Damit ich die Erde nicht zwischenlagern muss, baue ich ein neues Hochbeet. Dorthin bringe ich dann die Erde des Umzugskandidaten.

5. Dezember
Der erste Frost und leichter Schneefall.
Die Kürbisse lassen sich lange lagern. So kann ich noch immer mit der eigenen Ernte experimentieren. Dieses Mal gibt es Nudelsoße aus Kürbis, Fenchel und Roter Beete. Die Pasta mische ich mit reichlich grobem Salz, ein paar Tropfen Kürbiskernöl und frischem Thymian.

12. Dezember
Ich hatte geplant, der Magnolie einen besseren Platz zu geben. Aber gerade ist es so dunkel und kalt, dass ich diesen Umzug verschiebe. Vielleicht ist ja im Januar noch eine Gelegenheit dafür.

19. Dezember
Die kleinen Blätter des sehr spät gesäten Spinats sind von Raureif überzogen. Aber ich habe den Eindruck, dass der Frost bis –5 °C dem Spinat nichts ausmacht.

26. Dezember
Das Jahr ist um. Auf dem Kalender stehen noch einige wenige Zahlen. Tage, die ich mit Lesen und Teetrinken verbringe. Gelegentlich werde ich den Spinat besuchen und schauen, ob er noch durchhält. Ansonsten ruht der Garten. Selbst die Fensterbänke werden sich erst im Februar mit Tomatensetzlingen bevölkern.

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