Wildstaudenporträt: Fingerhut

In meinem Garten ist der Fingerhut (Digitalis) eine Diva. Sätzen wie „der Fingerhut sät sich verlässlich aus“ widerspreche ich entschieden.

Vor vielen Jahren lebte ich für einige Sommer im Harz. Dort wächst der Fingerhut an den Waldrändern in ganzen Horden. Seit ich einen eigenen Garten habe, versuche ich immer wieder den Fingerhut hier anzusiedeln. Vielleicht vor der Buchenhecke? Das wäre ja eine Art Gehölzrand. Vielleicht vollsonnig im Staudenbeet? Oder doch halbschattig unter der Felsenbirne? Ganz egal, welchen Platz ich vorschlage, der Fingerhut genießt ihn für ein Jahr. Er gedeiht prächtig – und lässt sich im nächsten Jahr nicht mehr blicken. Weder an der ausgewählten Stelle noch ein irgendeiner anderen.

Für mich ist der Fingerhut bisher immer nur ein Durchreisender für einen Sommer. Manchem Gärtner gelingt die Selbstaussaat bestimmt und dann ist er ein beeindruckender Dauergast. Ach, mir fällt ein, die gierschdurchwucherte Wildblumenwiese bei den Apfelbäumen habe ich dem Fingerhut noch nicht angeboten. Vielleicht mag er ja dort wachsen.

Für den Arzt ist der Fingerhut außerdem eine Heilpflanze. Aus dem Fingerhut werden Wirkstoffe für Herz-Medikamente gewonnen. Ich habe von Holunder bis Spitzwegerich allerlei Heilpflanzen im Garten und sammle von Jahr zu Jahr mehr Erfahrung, sie auch zu nutzen. Doch um den Fingerhut als Heilpflanze mache ich einen großen Bogen. Bei aller Heilkraft ist er gleichzeitig so giftig, dass ich für jede Berührung Gartenhandschuhe anziehe.

Sobald der Fingerhut verblüht und die Samenkapseln vertrocknet sind, werde ich sie an verschiedenen Stellen verteilen. Vielleicht kehrt er ja im nächsten Sommer zurück.

4 Gedanken zu “Wildstaudenporträt: Fingerhut

  1. Guten Morgen, Uhle – bei uns kommt der Fingerhut immer wieder – er sät sich zuverlässig an der trockensten Stelle im Küchengarten aus und steht dort meistens im Weg. Da es aber so hübsch ist, darf er bleiben!
    Liebe Grüße aus Unterfranken, Sabine

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    • Ja, so kenne ich das auch. Bei mir fremdelt der Fingerhut noch etwas mit den vorgeschlagenen Plätzen. Ich habe ihn in den letzten Jahren mehrfach gesät und gepflanzt. Im letzten Jahr erschien er dann zum ersten Mal von alleine. Ich hoffe, dass er sich nun hier eingelebt hat.

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    • Ja, dass stimmt. Wenn ich so näher über „meine“ Pflanzen nachdenke, gibt es so einige, die so unstet sind wie der Fingerhut. Pimpinelle hatte ich jahrelang reichlich. Dann war sie zwei Jahre verschwunden und nun wächst sie immer wieder in den Fugen der Plattenwege oder auch auf der Apfelbaumwiese.

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