Wildstaudenporträt: Kuckuckslichtnelke (Regionale Pflanzen für den Naturgarten)

Während einer Reise in den englischen Lake District wurde mir klar, dass ich kaum sagen kann, welche Pflanzen in meiner Region heimisch sind. Vielleicht gerade weil ich im Ausland war und die Pflanzen in der Landschaft mit anderen Augen sah als zu Hause. Gärtnereien und Internet verwöhnen den Gärtner so sehr mit attraktiven Pflanzen aus der ganzen Welt, dass das Wissen verloren geht, welche Pflanzen in der eigenen Region beheimatet sind. Oft werden sogar diese einheimischen Pflanzen, die man auf jedem Wald- und Wiesenspaziergang sieht weniger wertgeschätzt, als die punktgenaue Züchtung der Staudengärtnerei. Mir geht es nicht darum, jedes Unkraut im eigenen Garten anzusiedeln. Doch ich mag viel mehr die Augen offen halten für die Schätze, die längst da sind. Die Kuckuckslichtnelke ist für mich solch ein Schatz. Ich kenne sie aus der Rhön. Lange kam ich gar nicht auf die Idee, sie im eigenen Garten anzusiedeln.

Die braucht doch mageren Boden! Nein, braucht sie nicht, eher nass und nährstoffreich soll es sein!
Die ist doch geschützt? Na, klar, aber Du musst sie ja nicht an Ort und Stelle ausbuddeln!
Die ist bestimmt kompliziert? Ach ja? Wie würde sie denn dann im rauen Klima der Rhön überleben?

Mit ihrem Wunsch nach einem nahrhaft-feuchten Boden bei gleichzeitiger Sonne, setze ich sie in die feuchteste Ecke der Wiese und hoffe, dass sie damit zurechtkommt. Oft sind die Pflanzen viel kompromissbereiter als, die Lehrbücher sagen. Eben jene Lehrbücher beschreiben sie einerseits als „kurzlebig“ (blüht nur ein Jahr) aber auch als „ausdauernd“ (treibt jedes Jahr von alleine neu aus). Ob sie wirklich ausdauernd ist, werde ich im nächsten Jahr sehen. In den letzten Wochen hat sie sich trotz des gruseligen Wetters prächtig entwickelt und ich hoffe sie nächstes Jahr wieder zu sehen.

6 Gedanken zu “Wildstaudenporträt: Kuckuckslichtnelke (Regionale Pflanzen für den Naturgarten)

  1. Viel Erfolg!
    In unserm Garten wuchs sie auch mal, nur eine handvoll Pflänzchen. Gerade die Tage fiel mir auf, dass ich sie schon seit 1-2 Jahren nicht mehr bei uns gesehen habe, und ich dachte mir: Die muß ich wieder in unseren Garten holen. Dein Beitrag erinnert mich wieder daran. :-)

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    • Freut mich, dass ich als Gedächtnisstütze dienen konnte :-) Das mit dem „nicht dauerhaft“ ist dann vielleicht doch ernster zu nehmen als ich hoffte. Ich werde mir Saatgut von den aktuellen Pflanzen sammeln und im nächsten Jahr zusätzlich aussäen.

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      • Ja, das ist eine gute Idee! So mach ich das auch bei einigen Arten. Teilweise säe ich zusätzlich auch in Töpfen an und setz dann die jungen Pflanzen aus.
        Wichtig ist dabei, dass sowohl Aussaat als auch junge Pflänzchen nicht von dichtem und v. a. fettem Gras überwuchert werden. Fein wachsende Gräser sind nicht so das Problem. Aber wenn dieses fette Gras so schnell wächst wie gerade eben bei all dem Regen auf unserem Lehmboden hier, kommen diese Arten kaum hinterher.
        Viel Erfolg! :-)

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