Kartoffeln für Anfänger: Ein mobiles Kartoffelbeet

Das Wetter ist garstig. Gar nicht maienhaft und lieblich. Die Bäume schlagen aus, ganz wie es das Volkslied anordnet. Auf den zweiten Blick wirken die Bäume wie Fußgänger an einer winterlichen Bushaltestelle, die sich mit klopfenden Armen umschlingen, um etwas weniger zu frieren. Im halbstündigen Rhythmus der Polarwinde gehen Schneeschauer im Garten nieder.

Fast jeder, dem ich aufgeregt von meinem Kartoffelexperiment erzähle, sagt routiniert und ungerührt „Ach ja, die Kartoffeln, die habe ich schon vor zwei Wochen gesetzt. Warum wartest Du so lange?“.

Und so stehe ich nun auf der knöchelhohen Wiese aus Löwenzahn, ziehe zum fünften Mal die Kapuze der Winterjacke über den Kopf und frage mich, weshalb meine Kartoffeln nicht längst gesetzt sind. Ich übergehe die Gedanken der Rechtfertigung, weshalb das mit den Kartoffeln so ist, und fange an Blumenkübel und Mörtelwannen aus den verschiedenen Ecken des Gartens am Komposthaufen zu versammeln. Heute ist der Tag für mein mobiles Kartoffelbeet. Der erste Teil meines Kartoffelexperimentes.

Ich stehe damit gut platziert in der Mitte zwischen erfahrenen Gärtnern und Gartenneulingen. Die einen bewirtschaften, seit vielen Jahren routiniert und ertragreich ihren Nutzgarten, als gäbe es nicht einfacheres. Die anderen sind noch unerfahrener als ich und haben gerade zufällig bei Insta entdeckt, dass es mehr als eine Kartoffelsorte gibt, dass Kartoffeln nicht nur nach Salzkartoffel und Pellkartoffel unterschieden werden. Jeder muss mal irgendwo anfangen, da gibt es kein besser oder schlechter. Nicht jeder hat Bilderbuchgroßeltern mit Streuobstwiese. Insta ist sicher kein vollwertiger Ersatz für Großeltern, aber auch digitale Anregungen können zum eigenen Garten führen. Ich möchte in diesem Jahr blaue Pellkartoffeln und nussig-cremige Salzkartoffeln essen. Darum geht es in meinem Kartoffelexperiment. Und dafür also Kübel und Wannen. Zwischen Rosen und Hibiskus ist gerade ausreichend Platz, um meine kleine Schar an Pflanzgefäßen zu postieren. Das erspart mir das Umgraben an dieser für ein Beet ungünstigen Stelle.

Kartoffeln mögen zwar Wasser, aber keinen Regen. Das haben sie mit den Tomaten gemeinsam. Die beiden hinteren Reihen bekommen durch die schützende Hauswand recht wenig Regen ab. Auch das spricht für die Lage meines Kübelbeetes. Die Mörtelwannen bekommen große Löcher. Falls es doch regnet, soll das Kartoffelbeet nicht zum Sumpfland werden. Es ist gar nicht so einfach, Monate im Voraus alles so zu gestalten, dass die Pflanzen eine reiche Ernte bringen.

Aus meinen vielfältigen und im wahrsten Sinne des Wortes buntgemischten Pflanzkartoffeln, sind schrumpelige Dinger geworden. Die wildverzweigten und pelzigen Keime erinnern mich an die Mandelbrot-Fraktale (Apfelmännchen), die vor vielen Jahren plötzlich populär waren. Kübel und Wannen bekommen eine Grundlage von etwa 10 Zentimetern Gartenerde. Darauf setze ich meine wertvollen Kartoffelkeimlinge. Nun fülle ich vorsichtig neue Komposterde auf. Die Keime sind gut bedeckt. Die Kartoffeln freuen sich (hoffentlich!) über feuchte, nährstoffreiche Erde. Sobald die Triebe 10 Zentimeter hoch sind, werde ich weitere Erde auffüllen.

Den zuversichtlichen Anleitungen nach brauche ich jetzt nur noch auf die Ernte warten. Ich bin gespannt! Blaue Kartoffeln auf dem Teller, das wird auf jeden Fall ein besonderes Essen werden!

2 Gedanken zu “Kartoffeln für Anfänger: Ein mobiles Kartoffelbeet

  1. Hallo Uhle
    Ich bau die Kartoffeln auch im Topf an, aber nicht wegen dem Wetter oder so, sondern weil ich die „Blauen St. Galler“ wenn sie erntereif sind im Boden fast nicht finde. Sie sehen dann auch wie Erdbrocken und so dunkel wie die Schale ist sind viele drin geblieben. War schade drum. Jetzt kann ich dann im Spätsommer den Topf über dem Kompostsieb in die Schubkarre kippen. Kartoffeln rauslesen, was durchs Sieb fällt wächst dann gleich im kommenden Jahr *hoffentlich wird das ein Permakultur-Ding *lach
    Grüess Pascale

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    • Blaue St Galler, das klingt cool! Ich habe mir eine bunte Mischung zusammenbestellt. Violetta und Heiderot sind als farbige Kartoffeln mit dabei. Ich bin sehr gespannt, wie sich das auf dem Teller macht. Die Fotos im Netz finde ich schon irgendwie spuky. Da merke ich erst einmal, wie sehr ich an die „normalen“ gelben Kartoffeln gewöhnt bin. Es wird Zeit für BUNT!

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