Pflanzenwanderer

Bei einigen Pflanzen habe ich den Eindruck, sie gehen regelrecht aktiv auf Wanderschaft. Ganz ähnlich wie wir Menschen, packen sie ihren Rucksack und überlegen „Wo könnten wir denn dieses Jahr einmal hin wandern?“. So stelle ich mir das zumindest vor.

In diesem Jahr fällt mir besonders die Nachtkerze auf. Vor drei oder vier Jahren hatte ich zum ersten Mal eine Nachtkerze im Garten. Es gefällt der Pflanze wohl so gut, dass sie jedes Jahr eine neue Stelle ausprobiert und an jedem ihrer selbstgewählten Orte gut gedeiht. Gerade hat sie sich zusammen mit einer Stockrose im Hochbeet angesiedelt. Die Stockrose kann dort wirklich nicht bleiben. Sie wird einfach zu hoch. Bei der Nachtkerze werde ich eine Ausnahme machen. Sie ist noch ein Neuling hier und ich freue mich über jede herbstliche Rosette, die zahlreiche Blüten im nächsten Jahr ankündigt.

Die Pimpinelle ist wirklich eine endlose Geschichte. Eine Art Katz und Maus Spiel. Ich mag die Pimpinelle gerne im Garten haben. Die Ritze im Gehwegpflaster ist vielleicht nicht ganz der richtige Platz, doch sie ist hier sehr willkommen. Ich habe sie bereits mehrfach umgesiedelt. Ganz freundlich und behutsam, mit dem gesamten Wurzelballen. Von der Obstrabatte ins angrenzende Gemüsebeet. Schwups, weg ist sie. Vom Hochbeet in einen großen Blumentopf. Weg ist sie. Einmal war sie für zwei Jahre ganz verschwunden. Nun ist sie wieder da und soll von mir aus selbst in ihrer Pflasterfuge glücklich werden.

Das Schöllkraut ist das komplette Gegenteil der Pimpinelle. Egal wo und egal wie oft ich sie ausreiße oder ausgrabe, sie kommt an anderer Stelle wieder. Oft sogar an der gleichen Stelle. Sie hat wohl Wurzeln wie Giersch, dass ein noch so kleines Stück ausreicht, um eine neue Pflanze austreiben zu lassen. Vielleicht biete ich ihr auch die optimalen Bedingungen. Wenn also jemand eine Schöllkrautplantage plant. Man nehme einen nordhessischen Durchschnittsgarten mit eher lehmigem Boden. Das Wetter kann man per Los entscheiden. Ein sonniges Jahr mit verdorrtem Sommer oder einen kaltes Jahr mit verregnetem Sommer. Beides ist dem Schöllkraut gleichermaßen willkommen.

Die Zitronenmelisse ist wohl eine Art Minze. Einmal irgendwo kurz außer acht gelassen und schon wandern meterlange Wurzeln durch den Garten. Auch die Akelei ist ein echter Wandervogel. Ich weiß nicht wie sie es macht, aber sie taucht überall im Garten auf. Mittlerweile schneide ich die Blüten möglichst schnell ab, damit hier nicht ausschließlich Akelei blüht. Je nach den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen, sind die Wanderpflanzen eine Freude oder eine Last. So schnell wie sich Wegwarte oder Akelei verbreiten, kann ich Phlox und Storchschnäbeln gar nicht vermehren. Bei der Nachtkerze bin ich (noch?) froh, dass sie sich verbreitet und beim Kalifornischen Mohn würde ich gerne etwas nachhelfen, damit er wieder mehr wird. Mir zeigt all diese Umherwanderei, dass die Pflanzen eigenwillige Wesen sind, die sich in ganz verschiedenen Ecken meines Gartens wohl fühlen. So sind mir die allermeisten Wanderer willkommen – und jene, die ich gerne los wäre, wie den Gundermann, lassen sich eh nicht vertreiben. So ein Garten gefällt offensichtlich nicht nur mir!

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