16. Pflanzenbörse im Botanischen Garten (Kassel): Nachlese

GG-2016_20Für mich beginnt der Markt eigentlich schon am Abend vorher, als ich mit dem allermeisten fertig bin und nun zum ersten Mal sehe, was aus all den Kleinigkeiten, die ich in den letzten Wochen und Monaten erledigt habe, geworden ist. Ich hole mir auf dem Marktplatz eine Pizza, setze mich mit einem Bier in den Garten und bin richtig stolz auf das Erreichte!

Ich weiß nicht, ob die Dinge, an denen ich lange gearbeitet habe, auf der Pflanzenbörse ein Erfolg werden. Vielleicht fahre ich morgen Abend ganz enttäuscht zurück und der Misserfolg verdunkelt mir die Freude über meine Pflanzen und die innovative Idee mit den Verkehrs-Schildern. Deshalb freue ich mich jetzt erst einmal über das was ich bis heute geschaffen habe. Später sitze ich noch lange an der Beschriftung der letzten „Wildflowers“-Schilder.

5 Uhr. Der Wecker klingelt. Nach einem kurzen Frühstück und der Fahrt über die frühmorgendlich leere Autobahn bin ich noch vor 7 Uhr am Eingang des Botanischen Gartens. Ich hatte erwartet, dass dort eine lange Schlange an Lieferwagen und PKW mit Anhängern steht und alle auf den Einlass warten. Es ist zwar reger Betrieb, aber ganz viele sind wohl schon lange vor mir da und sind bereits fleißig am Aufbauen. Wann sind die denn bloß aufgestanden und losgefahren?

GG-2016_23a9 Uhr. Ich bin fertig mit dem Aufbau und genieße die Ruhe vor dem (erhofften!) Sturm. Dazu herrliches Frühlingswetter und das mitgebrachte Frühstück. Zwischendurch kommen bereits die ersten Besucher.

 

GG-2016_23bGleich von Anfang an kommt es zu Verwechslungen zwischen Wegwarten und Löwenzahn. Als junge Pflanzen sehen sie sich wirklich sehr ähnlich. Ich nehme mir vor, im nächsten Jahr ein Photo einer blühenden Wegwarte mitzunehmen, um die Unterschiede leichter erklären zu können. Gleichzeitig ist die Verwechslung natürlich auch eine gute Möglichkeit mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Ich bin überrascht, wie viele nach einer kurzen Erläuterung die Wegwarte dann doch kaufen. Einige haben sogar schon erfolglos versucht sie selbst auszusäen und sind nun froh eine Pflanze kaufen zu können.

GG-2016_23cDeutlich mehr Erläuterungen als bei den Wegwarten ist bei meinen Verkehrsschildern „Wildflower ahead!“ erforderlich. Da ich den allerletzten Stand entlang einer schnurgeraden Allee durch den Botanischen Garten habe, stelle ich eines der Schilder quer an den Weg, damit man es bereits aus einiger Entfernung sehen kann. Dies führt nun dazu, dass viele Besucher denken, nach meinem Stand wäre der Eingang zu einem speziellen Wildkräutergarten innerhalb des Botanischen Gartens. Das Produkt „Bepflanzbares Verkehrsschild“ ist offensichtlich so ungewöhnlich, dass den wenigsten klar ist, dass man das Schild kaufen kann und sogar kaufen soll. Einige wenige Hobby-Bastler schauen sich die Konstruktion der Schilder an und überlegen offensichtlich, wie sich das Schild nachbauen lässt. Ich weiß, wie viel Arbeit in den Schildern steckt und lasse sie in dem Glauben, dass es einfacher ist ein Schild nachzubauen als ein fertiges zu kaufen. Die Konstruktion ist an sich nicht aufwändig, die Tücken stecken in den Details. Ich verstehe den Tag auch als ersten Test für das Produkt „Wildkräuter-Warnschild“ und sehe es als Erfolg, dass nur eine einzige Besucherin sich darüber aufregt und fragt „Glauben Sie wirklich, jemand stellt sich solch einen Unsinn in den Garten?“.

Bereits um 12 Uhr habe ich die Hälfte der Pflanzen verkauft. Der Besucherstrom ebbt nun etwas ab ohne allerdings je so dünn zu werden, dass es sich anbietet Buch oder Schreibzeug hervorzuholen. Als Aussteller empfinde ich das als sehr angenehm: Es ist durchgehend was los, aber es gibt weder Hektik noch gähnenden Leerlauf. Als Kunde würde ich auf jeden Fall gleich am Morgen kommen, damit ich noch die volle Auswahl habe.

GG-2016_23dIch weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich am Nachmittag weniger Pflanzen habe oder ob tatsächlich das Publikum ein anderes ist, doch das Durchhalten lohnt sich: Plötzlich gibt es reges Interesse an drei großen und wirklich schweren Johannisbeer-Büschen, die ich im eigenen Garten ausgegraben habe, um Platz für Aronia-Büsche zu bekommen. Um halb drei verkaufe ich sogar das erste echte „Unkraut“. Das Schild „Wildkräuter-Garten“ ist mit Giersch, Schöllkraut, Ruprechtskraut, Butterblume und Gundermann dekoriert. Als Ergänzung zu den „richtigen“ Pflanzen habe ich zumindest die Butterblume (Scharfer Hahnenfuß) und das Ruprechtskraut (Stinkender Storchenschnabel) ebenfalls eingetopft und mit Verkaufs-Preisen versehen.

Die allermeisten Besucher erkennen beide Pflanzen sofort als Unkraut aus ihrem eigenen Garten wieder und sind verwundert bis bestürzt, dass es eine Pflanze, die sie bisher herausgerupft, haben nun hier gegen Geld zu kaufen gibt. Nun verkaufe ich tatsächlich einen Topf Ruprechtskraut. Die Pflanze an sich ist „eigentlich“ wirklich unkompliziert und blüht lange. Es ist direkt eine Frage, wie sie in den Ruf gekommen ist, ein Unkraut zu sein. Ohne das Stigma „Unkraut“ ließe sich die Pflanze sicher gut verkaufen und es gäbe in den Vorgärten ganze Rabatten davon. Ganz egal, was man von der Pflanze hält, sie ist auf jeden Fall zusammen mit der Wegwarte, an meinem Stand das Thema Nummer 1.

16 Uhr. So langsam geht der Verkaufstag dem Ende entgegen. Zwei Lehreinnen, die ihren Schulgarten neu beleben wollen, kaufen die letzte der Johannisbeeren. Ich schenke ihnen zwei Wegwarten dazu. Wer sich einen freien Tag um die Ohren schlägt, damit Kinder etwas lernen können und in der Schule sinnvoll beschäftigt sind, verdient meine Anerkennung und Unterstützung. Die letzte Stunde verbringe ich dann doch noch damit, mir erste Notizen für das nächste Jahr zu machen. Was hat funktioniert und was hat gefehlt? Welche Ideen haben sich neu ergeben?

  • Für die Wegwarte möchte ich ein Bild mitbringen, um denen, die mir erklären wollen, das meine Pflanzen in Wirklichkeit Löwenzahn heißen, klarer erklären zu können, dass Löwenzahn und Wegwarte nicht dasselbe sind.
  • Für meine Unkräuter (Ruprechtskraut, Wegwarte, Gundermann, Scharfer Hahnenfuß) werde ich Informationen über Verwendung und Essbarkeit mitbringen.
  • Von GG-2016_23emeinen Verkehrs-Schildern habe ich leider keines verkaufen können. Nachdem ich nun weiß, welcher Aufwand mit einem Verkaufs-Stand verbunden ist, werde ich nun nicht mit den Schildern von Pflanzenbörse zu Pflanzenbörse ziehen. Die Schilder haben sicher einen sehr guten Wiedererkennungswert und ich werde sie daher immer wieder benutzen, wenn ich einen Stand habe. Außerdem werde ich herausfinden, ob sie sich per Post versenden lassen und sie dann entsprechend auch hier auf dem Blog zum Verkauf anbieten.

18 Uhr. Standabbau. Ich packe alles in Auto und Anhänger und fahre zurück nach Hause. Ein langer und anstrengender Tag, aber auch schöne und neue Erlebnisse. Im nächsten Jahr möchte ich auf jeden Fall wieder dabei sein.

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