Mit dem Gartenblog beim Autobahnprotest (#DanniBleibt)

Längst hat der Klimawandel auch meinen Garten erreicht. Die Wiese ist monatelang braunverdorrt und die Hortensien habe ich umgesiedelt, damit sie weniger Sonne bekommen. Wenn ich durch den Wald vor meiner Haustür laufe, sehe ich die verdursteten und abgestorbenen Fichten. Häufig ist nun die Rede davon, dass dringend mehr Mischwälder aufgeforstet werden müssen. Doch statt aufzuforsten, soll nun ein viele Jahre alter Mischwald in einem Wasserschutzgebiet gerodet werden. Deshalb war ich heute in Dannenrod im Vogelsberg, um gegen den dort geplanten Weiterbau der A49 zu protestieren.

Vor vielen Jahren war ich regelmäßig als Autofahrer auf der B3 von Kassel nach Marburg unterwegs und kenne die Plage der LKW-Schlangen aus eigener Anschauung. Dumm nur, dass die A49 gar nicht von Kassel nach Marburg führt, sondern ins 40 Kilometer entfernte Feldatal an der A5. Die Autos auf der B3 werden bleiben.

Gibt es denn wirklich nur diese beiden Möglichkeiten? Eine so falsch wie die andere? Zwischen Gießen und Marburg gibt es statt A49 eine gut ausgebaute Bundesstraße mit Ortsumgehungen. Wieso geht das beim Rest der B3 nicht genauso? Die Planungen für die A49 sind mittlerweile 40 Jahre alt. Sie stammen aus der Zeit der gelben Telefonhäuschen und der selbstgemischten Musikkassetten. Wer kann sich noch erinnern? Die Zeit ist weitergegangen. Und der Umgang mit Corona zeigt, dass es möglich ist, alte Muster in Frage zu stellen. Manches funktioniert nun besser als zuvor, weil es plötzlich keine andere Wahl mehr gab.

Der Beginn der Rodungen für einen weiteren Autobahnabschnitt zeigen, dass Politik und Wirtschaft noch nichts anderes können, als mehr von demselben. Mehr von dem, das die Erderwärmung anheizt. Mehr von dem, das die Städte fördert und die Provinz abhängt. Daher heute Demo statt Apfelernte.

Als ich in Dannenrod ankomme, stehe ich am Ende einer langen Autoschlange. Auf den ersten Blick wirkt es absurd, dass der Weg zur Demo mit den Autos der Autobahngegner zugeparkt ist. Mir macht es deutlich, dass selbst vielen Autofahrern mittlerweile Bäume wichtiger als Autobahnen sind. Was soll das für eine dringend benötigte Autobahn sein, gegen die selbst die Autofahrer protestieren?

Auf der Bühne vereint der Danni so unterschiedliche Redner wie Fridays for Future, die Linkspartei und eine Baumhausbewohnerin. Alle mit guten Gründen, weshalb dieser Wald bleiben muss. Mich habt ihr überzeugt. Ich komme wieder!

4 Gedanken zu “Mit dem Gartenblog beim Autobahnprotest (#DanniBleibt)

  1. Gut, dass ihr aufsteht und Widerstand leistet. Ich kenn da ein Autobahnprojekt in einer Ecke Österreichs, das gebaut wird, ganz ohne Widerstand. Obs nötig ist? Ich glaub nicht. Die Autobahn wird direkt auf den ehemaligen Feldern meines Heimathofes gebaut. Das geht mir durch Leib und Seele.

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    • Ja, das ist ein übler Anblick, so eine Autobahn auf den Feldern des Heimatdorfes. Hier werden gerade die Felder mit Logistikzentren zubetoniert. Wahrscheinlich kommt der Weizen, der dort mal wuchs dann demnächst per Paketdienst :-(
      Dabei bin ich gar nicht einmal grundsätzlich gegen Autos oder Straßen. Aber es muss ein ausgewogenes Verhältnis sein. Die Corona-Krise zeigt überdeutlich, wie schnell Veränderungen möglich sind – wenn man denn will. Zu bauen nur weil es nach 40 Jahren endlich genehmigt ist, ist Unsinn.

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