Jürgen Dahl: Nachrichten aus dem Garten

Auch ohne das berühmte Herbstgedicht von Rilke zu zitieren, geht der Sommer nun langsam dem Ende entgegen. Wahrscheinlich ist er sogar, ganz schlicht und ergreifend, vorbei und ich warte hier vergeblich auf spätsommersonnige Tage. Da liegt es nahe, dass auch meine kleine Reihe Lesesommer zum Ende kommt.

Seit etwa zwei Jahren suche und lese ich nun gezielt erzählende Gartenbücher. Das, was ich als Gartenbelletristik bezeichne. So ein Buch darf gerne hilfreiche Tipps enthalten, aber es ist eben keine nach Monaten aufgeteilte ToDo-Liste, bei der ich im Sachverzeichnis nach einem lateinischen Stichwort wie Brassica oleracea var. italica schaue und dann ab Seite 57 den Anbau von Brokkoli erklärt bekomme. Ich habe gar nichts gegen ToDo-Listen und benutze selbst auch solche Bücher. Allein, nach einem Arbeitstag im Garten, steht mein Sinn eher nach Entspannung, nach Plaudern als nach weiteren Aufgaben.

Auf dieser Suche nach Gartenbelletristik bin ich nun auch eine ganze Weile um Jürgen Dahls Buch „Nachrichten aus dem Garten“ herumgeschlichen. Im Gegensatz zu vielen anderen gab es das Buch weder in einer der zahlreichen Buchhandlungen, die ich bisher durchstöbert habe noch als gebrauchtes Buch, sondern nur in original und neu. Mittlerweile habe ich durchaus gemischte Erfahrungen mit Büchern, die ich nur aus wohlklingenden Beschreibungen des Klappentextes oder Lobhudeleien der Leser kenne, und bevorzuge bei unklaren Fällen auch mal ein gebrauchtes Buch.

Jürgen Dahl hat mich dann auf ganzer Linie positiv überrascht. Kaum bestellt, klingelte der Postbote mit einem großen Päckchen. Hm, ich habe doch nur ein einziges Buch bestellt? Aber dieses eine einzige Buch ist ein richtig dicker Wälzer. Mir wird klar, dass ich gar nicht das ursprüngliche Buch  „Nachrichten aus dem Garten“ bestellt habe, sondern eine Neuauflage, die das genannte und zwei weitere Bücher von Jürgen Dahl („Neue Nachrichten aus dem Garten“ und „Zeit im Garten“) in einem Band vereint.

Man merkt dem Buch an, dass es aus einer Zeit stammt, als das Internet noch in seinen Anfängen war. Ich lese verschiedentlich Formulierungen wie „soweit bekannt“ oder ähnliches. Heutzutage würde ein Autor solche Aussagen sicher durch die Ergebnisse einer Google-Suche ersetzen. Aber weiß der Leser dann wirklich mehr? Auf der einen Seite ein Autor, der zugibt, dass er auch mal etwas nicht weiß. Auf der anderen Seite ein Autor, der auch nicht mehr weiß, aber davon ausgeht, dass die Informationen, die er im Netz findet schon stimmen werden.

Jürgen Dahl hat nicht nur den Mut zuzugeben, dass er einmal etwas nicht weiß, sondern nimmt an einigen Stellen auch andere Positionen ein, als die durchschnittliche Gartenbuchwelt. Den Giersch beschreibt er als Dauergemüse. Kein anderes Gemüse ist so dauerhaft verfügbar und benötigt so wenig Pflege. Aus diesem Blickwinkel ist es völlig unverständlich, dass der Giersch einen so schlechten Ruf hat.

Auch über das Ausgeizen der Tomaten schreibt er. Es dient allein der Größe der Früchte. Das ist mir echt neu. Ich stelle immer wieder fest, dass die Tomatenpflanzen völlig kreuz und quer umherranken, wenn ich sie nicht konsequent ausgeize, aber das ließe sich ja bei einem größeren Abstand der Pflanzen in den Griff bekommen. Ich bin gespannt auf welche neuen Ideen Jürgen Dahl mich mit seinem Buch noch bringen wird!

 

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