Die Queckenjagd – Ich erobere mein Staudenbeet zurück

Es ist gerade mal ein paar Jahre her, dass ich ein vollständig neues Staudenbeet angelegt habe. Jedes Jahr sind die Stauden auf andere Weise aus der Winterpause zurückgekehrt. Jedes Jahr war es ein farbenfrohes Beet. Hochaufgeschossene Stockrosen, auch an Stellen, die der Gartenplan nicht vorsah. Echinacea, die sich selbst einen Platz suchten und damit den verschwundenen Alant ersetzten. Astern, die als winzige Setzlinge hier ankamen und sich zu blütenübersäten Büschen entwickelten. Allerdings, und das hatte ich lange nicht ernst genug genommen, mit der Quecke auch ein Einwanderer, der weder blüht, noch sonst eine Freude bringt. Jetzt ist es an der Zeit, das Staudenbeet wieder den Stauden zurückzugeben. Obwohl, ich vermute, dass letztlich auch die Quecke eine Staude ist. Sie wird zwar entweder landwirtschaftlich als Ackerunkraut beschrieben oder mit gelehrt klingenden Fachbegriffen als Geophyt und Hemikryptophyt. Eine Staude ist sie wohl trotzdem.

Bereits im ersten Jahr nachdem ich das Staudenbeet neu anlegte, war mir klar, dass ein Unkrautvlies mehr Nachteile als Vorteile hat: Man muss es kaufen. Es macht Mühe beim Verlegen und einsetzen der Pflanzen. Es erschwert Nachpflanzungen. Das einzige, was es nicht macht, ist Unkraut fern zu halten. Bisher konnte man einwenden, „Ach Uhle, das bildest Du Dir bloß ein!“. Seit diesem Wochenende habe ich den Nachweis. Ein Unkrautvlies ist quasi eine Rankhilfe für Quecken. Eine Schnellstraße, auf der die Quecke verlässlich an alle Enden des Beetes geleitet wird. An den Stellen ohne Unkrautvlies ist deutlich weniger Quecke. Dort wächst sie dann als „echte“ Pflanze, die verwurzelt ist und sich ausgraben lässt. Sobald ich auf ein Stück Unkrautvlies treffe, entferne ich es vollständig mit allen Pflanzen und der Erde, die daran haftet. Vielleicht habe ich einfach das Wort falsch verstanden. Ein Unkrautvlies ist ein Vlies, auf dem Unkraut wächst. So wie ein Saatband ein Band aus Saatgut ist.

Stück für Stück arbeite ich mich durch das Staudenbeet. Stauden, die größere Horste bilden, bleiben stehen. Meist lassen sich diese gut eingewachsenen Pflanzen von den Quecken befreien. Kleinere Stauden haben sich wahrscheinlich, ähnlich wie die Quecke, selbst angesiedelt und hängen mit den Wurzeln im gleichen Unkrautvlies fest, wie die Quecke. Ich trenne dann die kleineren Stauden vom Vlies ab und setze sie in Töpfe. Sobald sie verlässlich angewachsen sind, kommen sie zurück ins Staudenbeet.

Ich plane, neu eingepflanzte Stauden in große Plastiktöpfe oder Eimer mit Löchern im Boden einzugraben. Ich habe das bereits mit der Pfefferminze ausprobiert. Die Pfefferminze wächst bei mir in einer vergrabenen Mörtelwanne. Die Pfefferminze hat genug Platz und die massive Wanne ist ein guter Schutz, dass sie sich nicht zu weit ausbreitet. Bei den Stauden soll diese Idee dann genau umgekehrt funktionieren. Die Wurzeln der Quecken sollen nicht so leicht an die Stauden kommen. Außerdem weiß ich dann genau wo eine geplante Staude sitzt und an welchen Stellen ich rigoros alles jäten kann.

Insgesamt kann ich zu der Kombination aus Stauden, Quecke und Unkrautvlies sagen: Wer für eine optimale Verbreitung der Quecken sorgen möchte, für den ist Unkrautvlies die perfekte Lösung. Unkrautvlies: Eine wirklich zuverlässige Methode, Quecken im Garten zu verbreiten! Zur Entfernung der Quecke dann ganz einfach das gesamte Unkrautvlies mit allem Unkraut aufrollen und drei Viertel der Blühpflanzen gleich mit entfernen. Das ist natürlich kein ernst gemeinter Rat, aber nach einem anstrengenden Wochenende mit einem garstigen Unkraut, rettet mich der schwarze Humor. Noch sieht alles sehr kahl aus. Aber einige Pflanzen lassen sich retten und im Winterquartier warten auch noch einige letzte Schätze, die einen Platz im Garten suchen.

3 Gedanken zu “Die Queckenjagd – Ich erobere mein Staudenbeet zurück

  1. Ach Uhle, ich wollte doch mit einem Unkrautvlies der Queke oder dem „Schleichgras“ wie es bei uns heisst zu Leibe rücken und die gewollten Pflanzen in die Löcher stecken. Jetzt kann ich also alles nochmals überdenken und eine weitere Saison die fiesen Halme ausgraben.
    Toi Toi für Deine Topfidee. Meine Minze hat sich via die Abzugslöcher unter einem betonierten Weg hindurch auf die Reise gemacht – die kommt nicht mehr in den Boden und steht jetzt in grossen Töpfen auf der Plaza Mojito ;-).
    Habs guet. Grüess Pascale

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    • Liebe Pascale, vielleicht ist das mit dem Unkrautvlies doch keine so schlechte Idee – nur ganz anders als gedacht! Die Flächen mit Unkrautvlies lassen sich deutlich leichter von der Quecke befreien als der Rest. Einfach weil die Quecke das Unkrautvlies als Rankhilfe begreift und sich nicht die Mühe macht in der Erde zu wurzeln. Man muss „nur“ alle zwei, drei Jahre das Unkrautvlies samt Quecke entfernen und neues Vlies verteilen… Schleichgras ist ein toller Name. Das passt zur Quecke. Viele Grüße, Uhle

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