Gänsefingerkraut: Die Eroberung des Salatbeetes

Im späten Frühjahr freue ich mich regelmäßig über die gelben Blüten des Gänsefingerkrauts. Außerdem finde ich die silberglänzende Rückseite der Blätter faszinierend. Und möglicherweise finde ich es auch einfach cool eine Pflanze am Wegesrand zu erkennen, die nicht jeder kennt :-) Natürlich ist mir bewusst, dass jeder oder fast jeder, der sich mit Heilkräutern beschäftigt, auch das Gänsefingerkraut kennt, doch wie viele Prozent der Bevölkerung werden das sein?

Alle drei Punkte zusammen (schöne Blüten, faszinierendes Kraut und die Aura des Besonderen) haben mich dann bewogen, mir das Gänsefingerkraut doch auch in den Garten zu holen. Doch das Kraut mit all seinen Fingern aus Gänsen, denkt nicht im Geringsten daran sich für die neue Heimat zu revanchieren oder irgendwie – in meinem Sinne positiv – zu reagieren. Nein, es ist ersteinmal nur da. Aber dann, nach einigen Wochen zeigt sich, dass es die Zeit genutzt hat, um unter den frischen Salat-Pflänzchen entlang zu wandern und nun an jeder Stelle, die noch nicht von anderen Pflanzen belegt ist, keck seine Blätter nach oben zu recken als ob es sagen wollte „Hey, schau her, wie weit ich schon durch Dein Beet gewandert bin. Wenn Du mir noch ein wenig Zeit lässt und nicht endlich einmal die Salat-Köpfe erntest, durchwurzele ich bis zum Spät-Sommer das ganze Hochbeet“. Spätestens das ist der Moment, an dem ich dem Kraut das imaginäre STOPP-Schild vor die Blätter setze. So war das nicht gemeint! Vielleicht habe ich einfach nicht klar genug gesagt, was genau ich denn meine? Nun gut, das gilt es nach zu holen. Ich meine also (1) toll dass Du hier bist und (2) ich bin stolz darauf, dass ich Dich kenne und (3) ich muss mir noch überlegen, was für was genau Du gut bist. Hm, wenn ich das recht überlege, ist selbst das noch eine eher unklare Ansage. Da ist es kein allzugroßes Wunder, dass das Gänsefingerkraut einfach mal seiner eigenen Ansage gefolgt ist. Die lautet wahrscheinlich irgendwie so: „Wenn Du gute Erde findest, ranke so weit Du kannst“. Es gibt da offensichtlich eine gewisse Diskrepanz zwischen meinen Vorstellungen und den natürlichen Bedürfnissen des Krautes.

Bevor ich mir überlege, ob ich das Gänsefingerkraut nach seinem Auftritt als Wucherpflanze wieder des Hochbeetes verweise, möchte ich genauer wissen, für was es gut ist. Als Haupteigenschaft wird krampflösend angegeben. Das ist eine hilfreiche und wichtige Eigenschaft, allerdings es mangelt mir erheblich an Krämpfen, die zu therapieren wären. Ich nehme mir vor, mich zukünftig besser informieren, bevor ich eine Pflanze mit in den Garten bringe. Außerdem stelle ich mehr und mehr fest, dass die Kunst ein Heilkräutergarten anzulegen, nur zu einem Teil darin besteht ein Gärtner zu sein. Zum gärtnerischen Können kommt bei Heilkräutern die Frage hinzu, wie das Kraut eingesetzt wird. Da die Wirkungen eines Krautes immer vielfältig sind, gehört zu einer guten Kräuterheilkunde dann auch die eigene Erfahrung mit einem Kraut. Eine Aufzählung mit 10 bis 20 Wirkungen, die sich im Internet oder in Kräuterbüchern finde, hilft wenig, wenn ich nicht eigene Erfahrungen mit der Pflanze habe. Für mich bedeutet dies, dass ich mich vorschnell vom Gänsefingerkraut habe beeindrucken lassen. Es ist sicher hilfreich, aber ich habe keine Verwendung dafür. Es darf gerne  zwischen Löwenzahn, Wiesenschaumkraut und Habichtskraut in der Wiese wachsen, aber es ist für mich kein Heilkraut, das ich gezielt pflege und verwende.

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