Schnee und Frost weichen Sonnenschein und längerer Helligkeit. Zumindest vorerst. Für nächste Woche stehen beide erneut auf dem Wetterplan. Doch selbst wenn der Winter eine neue Runde durch meinen Garten dreht, für heute möchte ich wissen, was gut durch die letzten Wochen gekommen ist.
Bei Schneeglöckchen und Winterlingen brauche ich mir keine Sorgen machen. Auch ein paar Primeln blühen. Aber was ist Essbarem? Im letzten Herbst war vieles wichtiger als die Herbstaussaat. Die Beete sind so gut wie leer. Für das laufende Jahr entscheide ich, dass es endlich verlässliche Herbst- und Winterbeete gibt. Noch ist es weit bis Oktober. Mal sehen, ob es gelingt.
Aber jetzt endlich nach draußen und in die Beete schauen!
Der Lauch ist zwar winzig, aber nicht erfroren. Die Asia-Salate sind auf der Grenze zwischen Frost und Leben. Vielleicht schlagen sie neu aus und ich kann etwas davon als frisches Grün ernten. Die Vogelmiere sieht nicht anders aus als vor Monaten. Wie macht sie das? Stellt sich einfach tot, wartet ab und wächst mit der neuen Sonne weiter? Irgendwie so.
Meine heutigen Winterhelden sind Postelein und Pimpinelle. Postelein (Tellerkraut, Winterportulak) hatte Ende letzten Jahres einen dichten Teppich gebildet. Dann kam der erste Frost und die Blätter gefroren zu grünem Glas. Kaum war der Frost vorbei, waren die Blätter wieder frisch und aromatisch wie zuvor. Aber dann kam dicker Schnee. Fast 20 Zentimeter und noch einmal strenger Frost. Nach dieser Tortur habe ich nichts als grünen Matsch im Beet erwartet. Weit gefehlt. Erneut sind die Blätter frisch und saftig und wohlschmeckend.


Ähnlich überraschend ist die Frosthärte der Pimpinelle (Kleiner Wiesenknopf, Sanguisorba minor). Die Blätter des Postelein sind weich und fast flauschig. Es ist mir unklar, wie ein so saftiges Blatt Minusgrade überlebt. Bei der Pimpinelle ist es das genaue Gegenteil. Die Blätter sind so zart, dass beim Abzupfen Angst habe, sie aus Versehen zu zerdrücken. Wie wehrt sich solch ein filigranes Gebilde gegen Frost? Doch egal, welche Strategie die beiden Pflanzen anwenden, ich freue mich über das frische Grün. Als Mensch tut mir vor allem die Sonne und das längere Tageslicht gut. Wenn es dann zusätzlich noch eine eigene Ernte gibt, so klein sie auch sein mag, dann ist das für mich ein guter Start ins Gartenjahr.