Drei Fragen zu Chicorée – Und drei kraftvolle Vermutungen

1 Was ist mit dem Blattgrün, das die einjährige Pflanze von Mai bis November produziert?
2 Wäre es nicht viel einfacher den Chicorée ganz normal als einjährigen Salat zu essen?
3 Weshalb wird der Chicorée in Töpfen und im Dunklen angetrieben obwohl er frostfest ist und einfach im Beet bleiben könnte?

Vor dem strengen Frost bis –10 °C hatte ich auch einige wenige Pflanzen Chicorée im Beet. Leichten Frost bis –5 °C hatten sie gut überstanden und dann grub ich sie aus, um es mit dem Neu-Austreiben im dunklen Keller zu versuchen.
Nach dem strengen Frost bis –10 °C war fast alles im Beet erfroren. Das Beet wüst und leer. Einzig der Palmkohl hat den Frost gut überstanden. Völlig überrascht bin ich vom Chicorée. Zwischen den erfrorenen Resten aus Ringelblume, Endivie und Romanasalat entdecke ich nun grüne Blätter, die so aussehen wie der einjährige Chicorée vor dem Frost. Habe ich nun einfach beim Ausgraben der Wurzeln die kleinsten Pflanzen übersehen?
Mittlerweile zweifele ich sogar schon, dass die Pflanzen wirklich Chicorée sind. Aber vielleicht habe ich das Wesen dieser Pflanze einfach noch nicht verstanden. Immer wieder ist nur vom Neu-Austrieb der Wurzel und den in der Dunkelheit wachsenden gelben Blättern die Rede.
Chicorée wird im Frühsommer gesät, steht bis zum Spätherbst auf dem Beet. Erst dann wird die Wurzel geerntet. Das Blattgrün wird nur in gelegentlichen Nebensätzen à la „Kann als Salat gegessen werden“ erwähnt.

1 Chicorée ist einer der zahlreichen Verwandten der Wegwarte (Cichorium intybus). Das Blattgrün aller Wegwarten von Endivie (Cichorium endivia) bis Radicchio (Cichorium intybus var. foliosum)  und auch der Wegwarte selbst sind essbar.


Während die umständliche Treiberei mit Sand und Kübeln und Dunkelheit ausführlich beschrieben wird, ist von einjährigem Chicorée-Salat nie die Rede. Wäre es nicht viel einfacher den Chicorée ganz normal als Salat zu essen?

2 Die Besonderheit des Chicorées, im Dunklen und im Winter neue, essbare Triebe zu bilden, hat alle anderen möglichen Verwendungen in den Schatten gestellt.

Im Sommer gibt es zahlreiche Salate. Im Winter wird die Auswahl neben Feldsalat, Postelein und Grünkohl sehr dürftig. Da ist eine Wurzel, die im Winter einen neuen Salatkopf bildet ein solches Wunderding, das die Sommerblätter völlig in Vergessenheit geraten.
Auch Wegwarten selbst treiben neu aus. Wenn man im Herbst die verblühte Wegwarte nicht ausreißt, sondern abschneidet, treibt im Frühjahr eine neue Pflanze aus der Wurzel.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit meinen im Beet vergessenen Chicorée-Pflanzen weitergeht. Sie haben bereits Temperaturen von –10 °C überstanden. Schlimmer kann es in meiner Region kaum kommen. Die neuen Blätter sind allerdings genauso grün, wie den ganzen Sommer über.

3 Der Grund für das Wachstum im Dunklen ist, dass die Blätter dann gelb und weniger bitter sind.

So irgendwie grün ist jeder Salat. Gelb und dann noch im Winter ist die Besonderheit. Außerdem, Blätter, die so bitter wie Wegwarte sind, will selbst im Winter niemand essen. Wenn der Neuaustrieb also erfolgreich vermarktet werden soll, dann muss er schmackhaft sein. Das wird durch das Bleichen in der Dunkelheit erreicht.
Für den Verkauf muss die Ernte zudem planbar sein. Bei den frostigen Temperaturen im Freiland ist unklar, wann es die nächsten Blätter geben wird. Die kühlen, aber planbaren Temperaturen im Keller sorgen für gezieltes Wachstum.

Frischer Austrieb des Chicorées. Daneben bei gleichen Temperaturen erfrorene Endivie.

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