Gartentraum und Wimmelbeet: 5 Jahre Erfahrung mit Bau und Ernte im Hochbeet

Der Garten war vor vielen Jahren vom Vorbesitzer gut strukturiert worden. Jetzt lag er seit einigen Jahren brach und wartete auf neue Gestaltungsideen. Da kam die Idee ein Hochbeet zu bauen gerade recht. Dies ist nun etwa fünf Jahre her. Das Hochbeet und ich erlebten in dieser Zeit eine Reihe von überraschenden Wandlungen.

Letztlich ist auch ein Hochbeet ein Beet und hat genauso mit Unkraut und Wildwuchs zu kämpfen wie der ebenerdige Salat. Einiges von dem, was dem Hochbeet an Wunderdingen zugeschrieben wird, finde ich im Alltag nicht wieder. Oder, um es etwas diplomatischer auszudrücken: Das Gärtnern in einem Hochbeet muss genauso Herausforderungen meistern wie das ebene Beet, auch wenn es andere sind.

Der Aufbau

Zur Verwirklichung des Gartentraumes vom Hochbeet bietet sich ein ehemaliges Gemüsebeet an. Das Beet wird seit einigen Jahren nicht mehr gepflegt und der Giersch beginnt bereits zu wuchern. Schon vor den ersten Arbeiten zum Hochbeet ist mir klar, was ich dort gerne anpflanzen mochte. Doch erst muss es das Hochbeet überhaupt einmal geben. Mein Schwiegervater versorgt mich zum Glück mit einigen Tipps zum Aufbau, sonst bräche die ganze Konstruktion sicher unter der eigenen Last zusammen. Von fertig kaufbaren Bausätzen für Hochbeete höre ich zum ersten Mal, als mein Hochbeet bereits fertig ist.

Größe und Form geben der mit Rasenkantensteinen eingefasste Bereich des Gemüsebeetes vor. Innerhalb dieser Fläche hebe ich die Erde spatentief aus und verteile sie auf alle Arten von Vorratsgefäßen, die ich finden kann. Die Wände des Hochbeetes baue ich dann mit stabilen Brettern. Die Rasenkantensteine und das nun vorhandene Loch sind eine gute Hilfe bei der Montage der ersten Runde an Brettern. Nach einer zweiten Runde an Brettern und einer Höhe von etwa 50 Zentimetern bespanne ich die Innenseite des Hochbeetkastens mit Teichfolie. Die Bretter sind zwar von beiden Seiten mit Holzschutz eingestrichen, doch ich bin mir nicht sicher, ob das als Schutz gegen jahrelange intensive Nässe der Hochbeeterde ausreicht.

In einem ebenen Garten ist die Erde einfach da und die Pflanzen wachsen mehr oder weniger gut darin. Beim Hochbeet ist Erde jedoch etwas, das ich hinzufügen muss. So wie ich Bohrmaschine und Schrauben als Werkzeuge brauche, um die Kiste des Hochbeetes zu fertigen, brauche ich Erde und andere Füllungen, um die Fläche des Hochbeetes in die gewünschte Höhe zu heben. Das mag anfangs etwas konstruiert klingen, doch sobald die Kiste des Hochbeetes fertig ist, wird das Thema Erde sehr konkret. Je nach Form und Größe des Hochbeetes, muss ich die eine oder andere Tonne an Erde bewegen. Plötzlich stellt sich die Frage, wo dieses Material herkommen soll und wie es an Ort und Stelle gelangt. Es lohnt sich, gleich bei der Planung des Kastens das Volumen des fertigen Hochbeetes zu berechnen und danach zu überlegen, wo eine entsprechende Menge an Erde oder gleichwertiger Füllung herkommen kann. Ich bin froh, dass ich von Nachbarn einige Säcke Häckselgut bekommen kann. Zusammen mit dem eigenen halbreifem Kompost und der anfangs ausgeschachteten Erde wird das Hochbeet gerade so eben voll.

Erste Pflanzen

Bereits mit der Idee für das Hochbeet, lange vor den ersten Erdarbeiten, fange ich an, den Pflanzplan für das Hochbeet zu entwerfen. Mit großer Begeisterung und einem Wirrwarr aus Selbstversorgerromantik und Kräuterheilkunde verteile ich alle Pflanzen, die in meinem Garten vorkommen sollen, auf das Hochbeet und die angrenzende Kräuterwiese. Mit jeder weiteren Erkenntnis gibt es eine neue Version der Liste und immer wieder auch gezeichnete Pläne in DIN A3.

Es soll aber nicht nur praktisch sein und eine große Ernte bringen, sondern auch ästhetisch. Also denke ich mir geometrische Anordnungen und blühende Begrenzungen aus Bellis aus. Ich vermute, das „perennis“ in Bellis perennis (Gänseblümchen) steht für „dauerhaft“. Zumindest die von mir verwendeten Bellis halten sich nicht daran und sind nach einigen Monaten kommentarlos verschwunden. Der Rhabarber gedeiht dagegen prächtig. So prächtig, dass er viel mehr Fläche einnimmt, als mein Plan vorsieht. Es ist keine so gute Idee, eine Pflanze mit großem Platzbedarf ins Hochbeet zu setzen. Was aber sind geeignete Hochbeetpflanzen? Bellis aus dem Gartenmarkt sind es jedenfalls nicht. Rhabarber ist es auch nicht, weil er zu viel der kostbaren Fläche verbraucht. Salat? OK, das könnte eine gute Wahl sein. Er wächst schnell und braucht relativ wenig Platz. Außerdem sind Pflege und Ernte leichter, wenn ich nicht auf dem Boden herumkrabbeln muss.

Die ersten Pflanzen wachsen erfolgreich. Auch wenn sich immer wieder Fragen stellen, mit denen ich zuvor nicht rechne. So lese ich den für Hochbeete typischen Satz „Die Rotte aus halbreifem Kompost und Gehölzschnitt erzeugt Wärme“. Hm, das stimmt im ersten Jahr des Hochbeetes. Und was dann? Durch die Rotte senkt sich die Oberfläche des Hochbeetes, die Pflanzen sacken ab und es gibt keinen weiteren Wärmenachschub mehr. Wenn ich die Wärmeentwicklung und die damit verbundene frühe Aussaat auch im nächsten Jahr erneut nutzen will, muss ich dafür sorgen, die untere Hälfte des Hochbeetes wieder mit halbreifem Kompost und Gehölzschnitt gefüllt ist. Aber wie soll das gehen? Ich habe den Eindruck, dass der Effekt der Zusatzwärme überbetont wird, während das ständige Absacken der Erde als normal angesehen wird. Was ist mit mehrjährigen Pflanzen wie etwa dem Schnittlauch? Was ist mit Spinat, der sich selbst versamt und im nächsten Jahr wiederkommt? All das funktioniert nicht, wenn ich jeden Herbst das Hochbeet ausschachte, neues Rottematerial einfülle und die Erde wieder zurückschaufele, um beständig über Zusatzwärme zu verfügen. Wenn es aber nur um einen einmaligen Effekt der Rotte geht, sind Aufbau, Füllung und Bepflanzung ein zu großer Aufwand.

Mittlerweile gibt es eine reichhaltige Auswahl an Hochbeetratgebern. Viele davon setzen gleich bei der Frage an, was ich denn tun muss, um ein Hochbeet zu bauen. Das übergeht eine andere wesentliche Frage „Was ist ganz genau der Grund, weshalb ich ein Hochbeet bauen möchte?“. Auf diese Frage gibt es vielfältige Antworten. Manche sagen: „Ich will nicht mehr auf dem Boden herumkrabbeln“. Andere sind begeistert von jedweder Neuerung und wollen den Trend gerne im eigenen Garten ausprobieren. Von der eigenen Antwort hängt es ab, welches Hochbeet für den Garten geeignet ist und wie es bepflanzt wird. Ich entscheide mich für ein Hochbeet, das ich nicht jeden Herbst komplett abräume, ausschaufele und neu befülle. Mein Hochbeet ist auch ohne diesen Zusatzwärmeeffekt eine tolle Sache. Ich bin froh, wenn die Rotte endlich vorbei ist und die Erde nicht mehr absackt. Dann kann ich in Ruhe arbeiten und sowohl Saisonsalat als auch ausdauernde Pflanzen ins Hochbeet setzen.

Noch mehr Hochbeet: 75 statt 50 Zentimeter Höhe

Am Ende des zweiten Sommers beschließe ich, dem Beet noch etwas mehr Höhe zu geben. Ein wirklich angenehmes Arbeiten habe ich bei meinem aktuellen Hochbeet nämlich nur, wenn ich mich davor kniete. Dann kann ich aber auch gleich auf dem Boden gärtnern. Manche Sachen muss man selbst erleben, um sie beurteilen zu können. Ich erlebe mein Hochbeet nun zwei Sommer lang und erkenne dabei, dass ich an meinem Konzept noch etwas nachbessern möchte. Das ist der Vorteil eines selbstgestalteten Hochbeetes: Wenn etwas fehlt, kann ich es selbst hinzufügen. Gesagt, getan. Ich kaufe die fehlenden Bretter samt Teichfolie und erhöhe das Beet um eine Runde. Inzwischen hat sich wieder eine größere Menge halbreifen Kompostes angesammelt. Die restliche, noch fehlende Erde kaufe ich in der örtlichen Kompostanlage dazu.

Das Gartenjahr ist zu Ende und die entstehende Wärme durch das Verrotten des halbreifen Kompostes wird keiner Pflanze zu gute kommen. Doch ich möchte die Arbeiten abschließen und für das nächste Gartenjahr startklar sein. Pflanzen setze ich keine mehr ein, das fange ich im nächsten Frühjahr ganz neu an. Was zuvor an ausdauernden Pflanzen im Hochbeet war oder im Frühjahr hinein soll, pflanze ich provisorisch in Töpfe, die ich eingrabe. Kurze Zeit später liegt eine dicke Schicht Schnee über dem Beet und alles an Ideen und Plänen ruht bis zum nächsten Frühjahr.

Erfolgreiche Ernte & Wimmelbeet

Beim zweiten Anlauf gelingt die Bepflanzung besser als in der ersten Runde. Es gibt zwar wieder etwas Dekoration, aber insgesamt ist es nun ein Saison- und Salatbeet. Auch an das Absacken bin ich mich inzwischen gewöhnt. Sobald eine Reihe Salat abgeerntet ist, füllte ich etwas Erde nach, bevor ich neu säe oder pflanze. Obwohl das Hochbeet nicht überdacht ist – es müsste also überall genauso viel regnen – ist das rechte Viertel deutlich trockener als der Rest. Ich gestalte dort eine mediterrane Ecke aus Thymian und Lavendel. Später kommt noch ein Rosmarin dazu, der zwei Winter gut übersteht, bis der dritte dann leider zu kalt ist. Es ist ein Experiment, wie so vieles andere im Garten auch. Wenn ich wieder einen Rosmarin kaufe, werde ich ihn in einen Kübel setzen und zusammen mit dem Ananas-Salbei ins Winterquartier bringen.

Im zweiten Sommer nach der Erhöhung wuchert es so arg, dass ich für kurze Zeit den Überblick verliere. Ich hatte einen Versuch mit Wirsing gewagt und gleichzeitig Gänsefingerkraut angesiedelt. Als dann in meinem Brotberuf so viel zu tun ist, dass ich zwei Wochen nicht dazu komme, in den Garten zu gehen, wird aus dem Hoch- ein Wimmelbeet. Pasta und Pizza haben daher jetzt Pause und es gibt jeden Tag eine Schüssel voll Salat! Trotz Wimmelbeet zeigt sich nun einer der Vorteile des Hochbeetes. Die beiden ebenerdigen Gemüsebeete werden in den wenigen Wochen ohne beständige Pflege vom Giersch überrannt. Im Hochbeet wuchert zwar das Gänsefingerkraut kräftig durch alle Lücken, aber es wird einfach des Platzes verwiesen und durch Pimpinelle ersetzt. Der aufgegessene Salat macht Platz für späte Mangoldsetzlinge. Und weiter geht es mit der nächsten Runde aus säen, experimentieren und aufessen!

Und – lohnt sich‘s?

Nach fünf Jahren Erlebnissen mit einem Hochbeet und diversen Anfangsschwierigkeiten möchte ich mein Hochbeet nicht mehr missen. Es ist in meinem Garten eine der wenigen Möglichkeiten, ein Beet frei von Giersch zu halten, und ich mag das Arbeiten in angenehmer Höhe.

Für mich ist nach wie vor die Höhe der Hauptunterschied zwischen dem Hochbeet und einem normalen Beet. Es bleibt ein Beet und hat genauso mit Unkräutern wie Vogelmiere und Löwenzahn zu kämpfen wie jedes ebenerdige Beet auch.

Vor dem Bau des Hochbeetes ist es wichtig, zu überlegen: „Weshalb will ich ein Hochbeet?“. Es reicht nicht zu wissen, weshalb ein Gartenbuch-Autor das Hochbeet toll findet oder, dass der Nachbar eines hat. Weshalb will ICH ein Hochbeet? Wenn diese Frage geklärt ist, kann ich mit den praktischen Fragen beginnen:
Wie groß ist das Volumen des Kastens und wo bekomme ich die entsprechende Menge Erde her?
Welche Art von Hochbeet soll es werden: Mit Frühbeet-Aufsatz? Soll jedes Jahr neues Rottematerial eingefüllt werden? Soll es „nur“ hoch sein, damit das Arbeiten leichter ist?
Welche Pflanzen passen zu meinem Konzept vom Hochbeet?
Verwende ich diese Pflanzen wirklich in meinem Alltag?


Dieser Text ist ein Kapitel aus dem im Januar 2021 erschienen gleichnamigen Buch zum Blog „Uhles Gartengedanken“

Mehr zum Buch findet sich HIER

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