Apfel-Brombeer-Gelee mit und ohne reißerische Überschrift (WYSIWYG)

Ich persönlich mag das alte Prinzip von WYSIWYG. Es stammt aus den Anfängen der PCs und Laptops. Bei den Urahnen der heutigen Textprogramme war es nicht selbstverständlich, dass die Anzeige auf dem Bildschirm genauso aussah, wie der ausgedruckte Text. Um zu sehen, wie der Text in echt aussah, musste man ihn entweder ausdrucken oder über einen Konverter anzeigen lassen. Irgendwann gab es dann die ersten Programme mit „What You See, Is What You Get“ (WYSIWYG). Das war ein enormer Fortschritt, denn nun konnte man den Text gleich so gestalten, wie man ihn haben wollte.

Ich habe den Eindruck, dass WYSIWYG inzwischen wieder auf dem Rückzug ist. Selbst bei etwas so einfachem und natürlichem wie einem Gartenblog geht es nicht mehr darum, was eigentlich in dem Text drin ist: What you read (in der Überschrift) is what you get (im Blog). Stattdessen geht der Trend zu „sprechenden Überschriften“ oder „Zielgruppenorientierung“. Ich frage mich, ob all diese Zielgruppen das wirklich wollen. Marktoptimiert heißt die Überschrift für den heutigen Beitrag dann „Die drei einzigartigsten Methoden Deine Apfelernte gewinnbringend zu vermarkten“. Gerne auch mal mit falscher Grammatik. Dass ich dann im Artikel dann nur eine statt drei Methoden vorstelle, das wird der Leser schon noch irgendwann selber merken – oder auch nicht.

Wenn ich einen Artikel, in dem es um Apfel-Brombeer-Gelee geht hinter einer verlockenden Überschrift verstecken muss, dann heißt das doch, dass ich entweder meine Leser für unfähig halte, weil sie nicht unter Apfel-Brombeer suchen, wenn sie Apfel-Brombeer wollen oder meine Leser eigentlich gar nichts über Apfel-Brombeer-Gelee wissen wollen und nur auf die Überschrift hereingefallen sind.

Wen führe ich mit solchen Lock-Überschriften denn nun mehr in die Irre: Den Leser, weil er eigentlich etwas anderes wollte, oder mich selbst, weil ich tief im Innern offensichtlich glaube, dass mein tatsächliches Produkt niemand will? Also wenn ich so eine marktoptimierte, reißerische Überschrift lese, klicke ich sofort auf „don’t like“. Ach ja, und in meinem Artikel Apfel-Brombeer-Gelee geht es übrigens um Äpfel und Brombeeren und Gelee. :-)

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