Muskateller Salbei: Eine Pflanze mit der falschen Aufgabe

Muskateller Salbei wird als wunderbare Ergänzung des Kräutergartens beschrieben. Nach der eher mühsamen Aufzucht macht sich bei mir schnell Enttäuschung breit. Die Pflanze wuchert, hat im Vergleich zum normalen Salbei riesige Blätter und schmeckt nach – nichts. Ich habe am Ende des Jahres die Pflanze direkt wieder aus dem Kräuterbeet verbannt. Jetzt, nachdem die Pflanze auf dem Kompost gelandet ist und unrettbar verloren ist, wird klar, dass ich ihr Unrecht getan habe: Die Pflanze hatte quasi die falsche Aufgabe. Sie war wie ein Mitarbeiter auf der falschen Stelle. Im 2. Jahr blüht die Pflanze wunderschön und vermehrt sich dann ganz leicht und von alleine. Für den Hustentee bleibt man dagegen am besten bei dem „echten“ Salbei, Salvia officinalis. Es geht bei dieser Salbei-Sorte also gar nicht um den Geschmack, sondern um das Aussehen.

Womöglich hätte ich mich besser informieren können und hätte gleich verstanden, dass Muskateller Salbei nicht für den Tee taugt. Ja, das stimmt. Und bei Pflanzen ist es auch relativ leicht möglich, sich gut zu informieren. Niemand wird von einem Apfelbaum Himbeeren erwarten. Von den Mitarbeitern eines Unternehmens wird jedoch erwartet, dass sie jede Neu-Organisation locker mitmachen und dann eben so lange „an ihren Schwächen“ arbeiten, bis sie zu ihrer neuen Stelle passen. Ja wie lange soll ich denn den Muskateller-Blättern zureden, bis sie die gleichen Inhaltsstoffe wie Salvia officinalis bilden?

Wäre es da nicht viel einfacher die Mitarbeiter mit dem zu betrauen, was sie tatsächlich können, für das sie sich womöglich sogar begeistern? Oder sie bei dem, das sie realistisch lernen können, zu begleiten? Wenn ich lange genug an meine Schwächen arbeite, schaffe ich es irgendwann bis zum Mittelmaß aufzusteigen. Das kostet mich viel Mühe und Zeit und das Unternehmen viel Geld. Wirklich gut kann ich dort werden, wo ich jetzt schon eine Stärke habe. Da hätten die Chefs dieser Welt so gerne einen dieser „Top-Performer“ in ihrem Team (muss ja alles irgendwie international, also englisch klingen…) und und keiner entdeckt die, die schon längst da sind, weil wir an den Schwächen statt an den Stärken arbeiten.

Ich habe eingesehen, dass ich mich beim Muskateller Salbei vertan habe und gebe ihm nun eine neue Chance mit einer anderen Aufgabe!

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